Samstag, 28. Dezember 2013

Rezension / Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet (Alan Bradley)

Dieses Buch lag ziemlich genau 1 Jahr auf meinem SuB.
Und plötzlich stand mir der Sinn nach einer kleinen, frechen Ermittlerin...also musste Flavia her ;-)

Da es sich um den 1. Band einer Reihe von mittlerweile 5 Bänden handelt, war ich doch sehr gespannt, ob Alan Bradley meinen Geschmack trifft und nun das Sammelfieber ausbricht.





Klappentext: 

Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist.

Meine Meinung:

Flavia ist zwar erst 11 Jahre alt, hat aber schon ordentlich was auf dem Kasten. Ihre Leidenschaft für die Chemie ist drollig...sie ist eine richtige Autodidaktin auf diesem Gebiet.

Sie mag für ihr Alter vergleichsweise reif und gebildet erscheinen, aber ich kann diese Eigenschaft gut nachvollziehen. Sie führt ein zurückgezogenes Leben und verbringt jede freie Minute in ihrem Labor.
Mit ihren zwei Schwestern teilt sie wenig Interessen. Die Mutter starb früh und der Vater kann seine Zuneigung nur schwer zum Ausdruck bringen - was die Mädchen vermutlich dazu gezwungen hat, schneller erwachsen zu werden. Und bei jeder der Schwestern äußert sich das anders: Feely, die Älteste, ist körperlich und in Bezug auf Männer sehr frühreif, Daffy liest Weltliteratur und Flavia macht sich Gedanken um Gott und die Welt und trainiert täglich ihr logisches, naturwissenschaftliches Denken.

In einem Punkt ist Flavia ganz Kind geblieben: sie ist unheimlich NEUGIERIG. Und dabei ziemlich furchtlos. Und genau diese Eigenschaften führen dazu, dass die Geschichte immer wieder vorangetrieben wird. Sie ermittelt in einem Mordfall auf eigene Faust und interagiert mit den entsprechenden Charakteren.

Tja, und dann gibt es bei mir noch die Schublade "englischer Humor" ;-) Man muss nicht jede von Flavias Aktionen auf ihre Glaubhaftigkeit untersuchen. Manchmal ist es einfach dran sich zurückzulehnen und die Show zu genießen.

Der Schreibstil ist, obwohl es sich bei der Protagonistin um ein Kind handelt, alles andere als einfältig.

Inhaltlich, also aus Krimisicht betrachtet, macht das Buch ebenfalls richtig was her. Der Plot ist außergewöhnlich und die Spannung wird bis zum Schluss aufgebaut und aufrecht erhalten.

Ich kenne mich mit Chemie und Giften nicht wirklich aus, aber der Autor muss in diesem Bereich Ahnung haben - oder hat für das Buch sauber recherchiert. Die Ausführungen sind auf alle Fälle glaubhaft und für den Laien nachvollziehbar.

Fazit: 

Flavia ist mir nach ihrem ersten Fall schon richtig ans Herz gewachsen. Ich liebe ihre freche, furchtlose und eigenständige Art. Mal sehen, was sie sich im nächsten Band leisten wird...

Montag, 23. Dezember 2013

Rezension / Drachenläufer (Khaled Hosseini)

Besser spät als nie! Dieses Motto passt gut zu mir und diesem Buch, welches 2003 im Originaltext erschienen ist, aber erst 2013 den Weg zu mir gefunden hat.

Schon sehr lange geistert "Drachenläufer" in meinen Gedanken und auf meinem SuB herum. Ich bin froh, dass ich mir nun endlich ein Herz fassen konnte.






Klappentext:

Drachenläufer erzählt vom Schicksal der beiden Jungen Amir und Hassan und ihrer unglücklichen Freundschaft. Eine dramatische Geschichte von Liebe, Verrat, Trennung und Wiedergutmachung vor dem Hintergrund der jüngsten Vergangenheit Afghanistans.

Meine Meinung: 

"Du hast in den Nachrichten schon so viele Berichte über Afghanistan bzw. Kabul gesehen, aber die persönlichen Schicksale konnten dich dabei nie wirklich erreichen..." - das ging mir beim Lesen oft durch den Kopf.
Weiter muss ich gestehen, dass ich vorher generell wenig über das Land Afghanistan wusste.

Ich liebe Bücher, die mir geschichtliches/ politisches Wissen vermitteln, welches aber gleichzeitig in eine anrührende, authentische Story verpackt ist. Welche Auswirkungen haben politische Entscheidungen auf eine Bevölkerung, ganz konkret? Wie können sich die Bürger wehren? Wo sind sie schutzlos ausgeliefert?

Durch "Drachenläufer" habe ich eine Menge über das Land Afghanistan gelernt. Über die Sitten, die Mentalität und die drastischen Veränderungen im Laufe des 20. Jahrhunderts.

Es war keine Überraschung für mich zu erfahren, dass auch in Afghanistan vor allem die Frauen und Kinder die größten Leidtragenden des Krieges sind. Und doch geht es immer wieder unter die Haut.
Aber auch (ehrenwerte) Männer haben ihr Päckchen zu tragen. So wie Amir, der zwar körperlich fliehen, aber innerlich nie abschließen konnte.

Gerade im Antlitz der Gefahr und des Krieges kommt das wahre Gesicht eines Menschen zum Vorschein. Immer wieder geht es (in meinen Augen) um das gleiche, psychologische Prinzip: FIGHT OR FLIGHT.

Amir ist offensichtlich ein feiger "Flüchtling", der vor seiner Schuld davonrennt und sie, so weit es geht, verdrängt. Doch so leicht lassen sich Erinnerungen nicht abschütteln...

Khaled Hosseini enthüllt dem Leser nach und nach die Geschichte der Freundschaft zwischen Amir und Hassan, welche ganz tief unter die Haut geht. Es geht um Solidarität, Ehre und Mut....um Angst, Ansehensverlust und Vorurteile. Um Religion, Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.

Es war sehr wichtig für mich, dieses Buch zu lesen.
Ein Buch, das mir wieder drastisch vor Augen geführt hat, dass Frieden & Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind, genauso wenig wie gute Freunde, die für dich bis zum Äußersten gehen würden.

Fazit:

Abgesehen vom Schluss, der sich meiner Meinung nach zu stark in die Länge gezogen hat, hat mir das Buch sehr viel gegeben. Es war kurzweilig, lehrreich und bewegend zugleich. Ich bedanke mich mich 4 Sternen!

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Rezension / Alle Farben der Welt (Giovanni Montanaro)

Über Lovelybooks bin ich an dieses kleine, aber feine Buch gekommen. Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht - aber dass mich Teresas Geschichte so in ihren Bann ziehen würde, hätte ich nicht erwartet...









Klappentext:

1881, im flandrischen Geel: Seit dem Mittelalter leben in dieser »Stadt der Verrückten« die Geisteskranken mit den Gesunden zusammen. Die junge Teresa wächst hier als Waisenkind bei der Familie Vanheim auf. Eines Tages kommt ein Unbekannter in den Ort. Teresa verliebt sich in diesen in sich gekehrten rothaarigen Mann, in dessen Augen ein ungekanntes Feuer brennt, und sie ist es, die ihm seine Bestimmung zeigt: Er trägt »alle Farben der Welt« in sich. Obwohl ihre Wege sich trennen, beeinflusst die Begegnung Teresas weiteres Leben auf dramatische Weise. Zehn Jahre später schreibt sie einen leidenschaftlichen Brief an den »Lieben Monsieur van Gogh«, in dem sie ihr peinvolles Schicksal erzählt und schließlich zu sich selbst zurückfindet.

Meine Meinung: 

Ich habe das Buch gestern in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mich sprachlos, schockiert und gleichzeitig begeistert zurückgelassen! Ein absolutes Jahreshighlight, das ich so kurz vor der Zielgeraden nicht mehr erwartet hätte.

Zunächst einmal ein paar Sätze zum Cover und zum Einband: schon als ich dieses Buch in der Hand hielt, wusste ich, dass es etwas Besonderes ist. Das in Stoff eingebundene, farbenfrohe Büchlein macht schon beim Anschauen und Anfühlen Spaß. Es hat zwar "nur" 176 S., ist seinen Preis in meinen Augen aber allemal wert.  

Schon nach den ersten Seiten ahnte ich, dass das Buch 5-Sterne-Potential hat. Der Schreibstil trifft 100 % meinen Geschmack. Montanaro schafft es, mit wenigen Ausschweifungen und Worten eine grandiose Atmosphäre zu schaffen - sei sie schön oder grässlich. Ich konnte nur noch blättern, blättern...und genießen. Solche Bücher erinnern mich daran, warum ich das Lesen liebe!

Das Buch ist in Briefform geschrieben. Es ist ein Brief der Protagonistin Teresa an ihre Bekanntschaft Vincent Van Gogh, welchen sie nur kurz, aber intensiv kennenlernen durfte. Er ist ein Mann, der ihr Leben verändert und aus den Fugen geraten lässt. Über Teresa erfährt man aufgrund dieser Erzählperspektive also sehr viel und begleitet sie in ihrer Entwicklung vom Mädchen zur Frau.

Der Ort, in dem sie lebt, ist sonderbar: einerseits geben sich die Bewohner gönnerhaft und erbarmungsvoll, indem sie "Verrückte" in ihrer Mitte aufnehmen. Andererseits spürt man, dass ihre Hilfsbereitsschaft und der Respekt seine Grenzen hat und sie Willkür walten lassen, was die ANDERSARTIGEN angeht. Montanaro zeichnet ein wunderbares Bild einer Dorfgemeinschaft Ende des 19 Jhd., das einen hin und wieder den Kopf schütteln lässt.

Ganz deutlich wird die Intoleranz im letzten Drittel des Buches, in welchem Teresas Leben eine drastische Wendung nimmt, weil Mitmenschen ihre Autorität missbrauchen und gewaltsam in ihr Denken und Fühlen eindringen. In Van Gogh findet sie einen Seelenverwandten, da auch er mit seiner Andersartigkeit zu kämpfen hat. Die Farben, um die es in diesem Buch geht, stehen meiner Meinung nach auch für die Facetten eines Menschen, die es zu erkennen, zu respektieren und anzunehmen gilt.

Ich bin begeistert von den vielen Wahrheiten und Weisheiten, die in diesem Buch stecken: Lesen und innerlich nicken. Ein Satz und 1.000 Assoziationen. An einem Zitat verweilen und darüber nachdenken...

"In ihren Briefen ergoss sich ein Strom, ungestüm und unaufhaltsam. Doch wenn sie redeten, waren sie wie ein ausgetrockneter Fluss" Das schreibt Teresa an Vincent. Mein erster Gedanke hierzu war, dass auch Giovanni Montanaro, der Autor selbst, so ein Mensch sein könnte. Ein Meister des geschriebenen Wortes eben. 

Fazit: 

Auch wenn ich es wahrscheinlich nicht geschafft habe, das volle Ausmaß meiner Begeisterung in dieser Rezension unterzubringen, hoffe ich doch, dass die Werbung ankommt! Ich bin der Meinung, dass diese 176 Seiten mehr zu bieten haben als so mancher 1.000-Seiten-Wälzer. Manchmal ist eben weniger mehr.
5 helle, goldene Sterne von mir! (Prämiere auf diesem Blog).

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Rezension / Schwarzer Mond über Soho (Ben Aaronovitch)

Nach fast 12 Monaten habe ich mich dazu entschlossen, die Fortsetzung von "Die Flüsse von London" zu lesen.

Einerseits war ich vom Auftakt der Reihe fasziniert (da sich dieser Roman meiner Meinung nach von der Masse abhebt), andererseits hat mich etwas davon abgehalten, die Reihe sofort fortzusetzen. Ich erkläre es mir so: Ben Aaronovitch ist ein sehr wortgewandter Autor - wobei das Leseverständnis unter der "Kunst" der Sätze manchmal ein bisschen leidet...sprich: ich musste schon bei "Die Flüsse von London" so einige Sätze mehrmals lesen, bis ich ihre Tiefe ergründen konnte. Man muss wirklich "in Stimmung" sein für solch ein Buch. 


Klappentext: 

Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist – die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung.
Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu ...

Meine Meinung: 

Ich bin immernoch etwas schizophren, was meine Meinung zu Aaronovitchs Schreibstil angeht: einerseits ist er flüssig und angenehm, andererseits kommen manche Sätze so hochgestochen daher, dass das Lesen mitunter viel Konzentration erfordert.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich herrlich über den Humor amüsieren. Auch wenn ich nicht jedes Detail verstanden habe, war der Unterhaltungswert ziemlich hoch.

Gestört haben mich einige langatmige Passagen, in denen der Autor weit ausholt, um eine aktuelle Begebenheit näher zu beschreiben oder zu erläutern. Wie auch im letzten Band wird viel über die Stadt London gesprochen: viele Ortsnamen, viele Straßennamen, viele Routenbeschreibungen...das nahm schon fast wieder überhand.

Peter Grant hat diesmal mit zwei magischen Fällen zu tun und stolpert aufgrund seiner intuitiven Art von einem Dilemma ins nächste. Peter ist mir sehr sympathisch, da er gerade seine verpeilte Ader zu seinen Gunsten nutzen kann.

Wir begegnen unseren alten Bekannten wieder, wobei die Themse-Götter diesmal im Hintergrund bleiben. Von Lesley ist kaum die Rede, da sie noch ihre Wunde aus dem letzten Teil leckt...wobei das Ende des Buches auf eine hochexplosive Fortsetzung hoffen lässt!

Fazit: 

Für Liebhaber der "leichten" Kost ist dieses Buch sicher nichts...außerdem muss man mit dem schwarzen, englischen Humor klar kommen.
Ich möchte jedenfalls keine weiteren 12 Monate verstreichen lassen, bis ich "Ein Wispern unter Baker Street" (3. Teil) lese!

Rezension / Die Flüsse von London (Ben Aaronovitch)

Anlässlich meiner Rezension zu "Schwarzer Mond über Soho" (2. Teil) möchte ich noch meine Rezension zu "Die Flüsse von London" veröffentlichen.
Über meinen Buchclub bin ich an dieses Buch geraten - es war unsere Lektüre für Januar 2013.








Klappentext:

Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand.

Meine Meinung:

Ich habe ein spannendes, verstricktes, mystisch schauriges Buch erwartet und meine Erwartungen wurden im Großen und Ganzen erfüllt.

Das Buch lässt sich locker weg lesen, obwohl ich mich definitiv erst an den Schreibstil gewöhnen musste. Man wird direkt auf der ersten Seite mittenrein geworfen (Fall über eine Leiche). Mit der Beschreibung des Hauptcharakters Peter Grant bin ich dann endgültig in der Geschichte "versunken".

Was mir am Schreibstil positiv aufgefallen ist:
Zynisch, schwarz, locker, witzig – gefällt mir.

Was mir am Schreibstil negativ aufgefallen ist:
Stellenweise werden mir zu viele Handlungen aneinandergereiht. Vor allem, wenn die Herrschaften unterwegs sind…“Wir fuhren eine Rechtskurve…dann eine Linkskurve…“, „Ich parkte zwischen einem orangefarbenem Citroen Picasso und einem feuerroten Jaguar XF“ (-> wen interessiert das?? Viele Sätze hätten meiner Meinung gestrichen werden können, da sie weder die Spannung steigern, noch sonst etwas zur Sache tun.)

Auch so sind mir Nightingale und Peter einfach zu viel unterwegs. Sie pendeln eigentlich die ganze Zeit zwischen dem Folly und Fall A, Fall B, Fall C…hin und her. Das hat mich mit der Zeit etwas gelangweilt. Das Muster wird erst kurz vor Schluss durchbrochen. Erst ab da kommt für mich wirklich Spannung rein.

Für mich war die Quintessenz der Geschichte mitunter: „DU kannst was mit deiner Begabung aus deinem Leben machen – egal, wie deine Kindheit war“ (also bezogen auf Peter). Das hat mir gut gefallen.

Fazit: 

Alles in einem war ich zwar etwas enttäuscht vom Inhalt, da ich mir doch etwas mehr "Verstrickung" gewünscht hätte, aber da es sich gut lesen ließ und stellenweise auch richtig spannend wurde, hat sich das Buch trotzdem für mich gelohnt.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Rezension / Wildrosengeheimnisse (Christine Rath)

Die Bodensee-Geschichte "Butterblumenträume" hat mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht...

Klappentext:

Maja Winter ist endlich glücklich mit ihrem Café Butterblume am schönen Bodensee und ihrem Freund Christian. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als eine schöne junge Frau verschwindet, die zuletzt in ihrem Café gesehen wurde. Christian verhält sich zunehmend rätselhaft und dann wird auch noch im Café eingebrochen. Zum Glück gibt es den sehr attraktiven Kommissar Michael, der die Ermittlungen übernimmt. Als schließlich Majas alte Liebe Leon wieder auftaucht, ist das Gefühlschaos endgültig komplett.

Meine Meinung: 

Meine Meinung wird kurz ausfallen, weil mich das Buch maßlos enttäuscht hat - ich will mich gedanklich nicht länger mit dieser hanebüchenen Geschichte herumplagen.

Wo im ersten Teil ("Butterblumenträume") soweit noch alles nachvollziehbar und realistisch ist, nimmt die Geschichte im zweiten Teil eine konfuse und absolut nicht ernst zu nehmende Wendung an:

- Eine Frau, drei Männer
- 1.000 Missverständnisse
- Das Verschwinden einer weiteren Frau
- Die Hochzeit der fast 70-jährigen Mutter
- Hier und da ein bisschen Luxus (trotz Existenzgründung und angebelichen Geldproblemen), unter anderem kilometerweite "Spontanfahrten" um und über den See
- Ständig taucht aus dem Nichts irgendein Mann vor Majas Tür oder in ihrem Garten auf, und und und...mehr kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern.

Nicht nur, dass die einzelnen Vorkommnisse und "Zufälle" total an den Haaren herbeigezogen sind, nein, auch ein krasser Logikfehler hat sich eingeschlichen: Tochter Nini verreist für ein paar Tage nach Paris und scheint nach einigen Wochen immer noch nicht zurück zu sein. Bei aller Liebe...unter solchen Umständen kann ich einen Roman einfach nicht ernst nehmen.  

Fazit:

Nachdem ich "Butterblumenträume" eigentlich ganz nett und durchschnittlich gut fand, hake ich "Wildrosengeheimnisse" eher als Flop ab. Alleine der sympathische, flüssige Schreibstil (wenn auch mit nervigen Wiederholungen) und die gelegentlich einfühlsamen Passagen, in denen man sich selbst wiedererkennt, rechtfertigen 2 Sterne für mich.
 




Samstag, 7. Dezember 2013

Rezension / Butterblumenträume (Christine Rath)

Eine Bekannte von mir hat "Wildrosengeheimnisse" (den 2. Teil hierzu) gelesen und mir dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt - da ich selbst am Bodensee aufgewachsen bin.
Ich fand heraus, dass "Butterblumenträume" die Vorgeschichte ist und bestellte mir zunächst diesen Band.

Ich hätte mir dieses Buch wohl NIEMALS gekauft, wenn die Geschichte nicht am Bodensee bzw. noch konkreter in meiner Heimatstadt Überlingen spielen würde. Schon alleine der Titel erinnert doch stark an Rosamunde & Co. (im negativen Sinne...). 
Pünktlich zum Heimaturlaub bei meinen Eltern habe ich dann diesen Schmöker in meinen Koffer gepackt.

Klappentext:

Maja Winter lebt mit ihrer Tochter in Überlingen am Bodensee. Sie ist mit dem Erben eines großen Weingutes liiert und beruflich erfolgreich. Alles läuft in geordneten Bahnen, doch wirklich glücklich ist sie nicht. Eines Tages entdeckt sie ein malerisches Haus am See und träumt davon, dort ein kleines Café zu eröffnen. Ihre neue Freundin, die alte und lebenskluge Nachbarin Frieda, ermuntert sie, ihren Traum zu verwirklichen. Als Maja schließlich ihren Job verliert und sich in den Gärtner des Hauses verliebt, wird ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt und sie steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens.

Meine Meinung: 

Es ist mir leichtgefallen, in die Geschichte von Maja Winter und ihrer Tochter Nini hineinzufinden. Gerade die vielen Details rund um ihren Alltag haben dazu beitgetragen, ihre Wünsche und Sehnsüchte besser zu verstehen. Auch ihre Liebe zum Bodensee und zur Stadt Überlingen konnte ich natürlich gut teilen.

Die Charaktere sind insgesamt schön gezeichnet und es war für mich kein Problem, Sympathie für die Hauptfiguren zu empfinden. Fast alle Figuren verändern sich im Laufe der Geschichte charakterlich; wenn auch etwas vorhersehbar und glatt.

Besonders gut haben mir natürlich die detailierten Beschreibungen des Bodensees und der Umgebung gefallen. Die saisonalen Veränderungen und Stimmungen dort in der Natur kenne ich sehr gut! Natürlich hat mich als Ansässige auch die Erwähnung von bekannten Plätzen und Lokalitäten in diesem Buch erfreut. Sofort entstand ein Bild vor meinen Augen und dieses Bild konnte ich mit eigenen Erinnerungen verknüpfen.

Sehr amüsant waren die vielen Details zu Klamotten- und Einrichtungsthemen...da ich selbst auch eine recht "normale" Frau bin, konnte ich diese Passagen interessiert lesen. Aber stellenweise geht die Autorin doch SEHR stark ins Detail, z.B. bei der Erwähnung von diversen Marken (was eigentlich nur in Bezug auf ihre reiche "Schwiegerfamilie" zum Verständnis beiträgt).

Natürlich ist es ein Buch VON einer Frau FÜR andere Frauen. Daher kann man so viele beschriebene Bedürfnisse und Emotionen der handelnden Frauen im Buch vollkommen nachvollziehen - der Wunsch nach dem "Prickeln" und nach Anerkennung, der Wunsch nach Selbstständigkeit, die vielen Grübelgedanken dazu.

Insgesamt war der Plot (bis auf das Ende) für mich glaubhaft und durchaus realistisch. Maja erlebt einige Höhen und Tiefen in diesem Zeitraum, aber leider nahezu gleichzeitig. Daher habe ich, rückblickend, die KRASSEN Tiefs vermisst, die NICHT durch irgendwelchen schönen Zufälle glattgebügelt werden.

Tja, und der Schluss...leider too much für meinen Geschmack. Ein richtiges "Happy End" eben, in dem sich wirklich ALLES zusammenfügt. Gerade in Bezug auf die Fortsetzung hätte ich mir zumindest einen offenen Punkt gewünscht. Aber vielleicht wusste die Autorin zu dem Zeitpunkt selber noch nicht, dass ein 2. Teil entstehen soll.

Fazit:

Ich mochte das Buch! Obwohl ich sagen muss, dass mich hauptsächlich der Schauplatz gereizt hat. Wer einen schönen Frauenroman sucht, wird sicher auch anderweitig fündig werden. 3 Sterne für dieses schöne Buch, das auf keinen Fall Zeitverschwendung war!

Friedhof / Das fremde Meer (Katharina Hartwell)

Fakten:

Gelesen bis: ca. 1/4
Gefühl beim Lesen: Verwirrtheit
Größte Schwäche: Unklare Botschaften
Kleines Lob: Sehr poetischer und ausgefeilter Schreibstil






Meine Kurzmeinung: 

Ich habe das Buch schon vor einigen Monaten traurig zur Seite gelegt...traurig deshalb, weil ich mich in gewisser Weise in dem Buch verlieren konnte - aber schließlich keine Ausdauer mehr dafür hatte, den nebulösen Inhalt zu verstehen.

Der Schreibstil ist dennoch einmalig: die junge Autorin hat in der Tat einen überraschenden und wortgewaltigen Debutroman geschaffen. Inhaltlich finden wir die Abwechslung zwischen Fantastischem, Märchenhaftem und Realem, denn in allen Kapiteln ist zwar jeweils die Rede von einem Mann und einer Frau (die auch immer andere Namen tragen), aber im Rahmen von ständig wechselnden Zeiten, Schauplätzen, Lebensumständen. Die Autorin reiht eine eigenständige Geschichte an die andere. Aber man ahnt, dass ein Zusammenhang besteht und diese Frau und dieser Mann in gewisser Weise immer die gleichen bleiben - unabhängig von Raum/ Zeit/ Genre. Die Idee fasziniert mich schon sehr.

Zunächst hat mir das Komplizierte und Verworrene an diesem Roman gefallen. Wer sind die zwei Protagonisten? Wie stehen sie zueinander? Sind sie Freunde oder Liebende? Welche Parallelen finden wir in Bezug auf die Charaktereigenschaften in den scheinbar zusammenhanglosen Geschichten? Es gibt auf alle Fälle jede Menge Interpretationsspielraum - fast ZU viel, für meinen Geschmack. Ich möchte beim Lesen auch mal vom Autor an der Hand genommen werden bzw. will mich an einem roten Faden festhalten können.

Vielleicht hätte ich dieses Buch im Rahmen einer Leserunde lesen sollen, um zu erfahren, wie andere die vielen psychologischen Andeutungen verstehen.
Oder ich hätte mich mehr auf die einzelnen Geschichten konzentrieren und sie als eigenständige Teile genießen sollen. Wie auch immer - das Buch blieb ungelesen.

Sicher wäre mir am Ende des Buches auch ein Licht aufgegangen, aber leider ist mir zwischendurch die Puste ausgegangen...

[Was ist der Friedhof der Bücher?]

Dienstag, 26. November 2013

Gastrezension / Seelen im Eis (Yrsa Sigurdardottir)

Rezension von: Regina alias Leserin71

Yrsa Sigurdardottir ist eine sehr erfolgreiche Krimischriftstellerin, die mittlerweile international bekannt ist. Deshalb war ich sehr neugierig auf „Seelen im Eis“, das nicht Teil einer Reihe ist.






Zum Inhalt:

Odinn ist nach dem Tod seiner von ihm getrennt lebenden Frau vom Wochenend- zum Vollzeitvater geworden, weshalb er einen sicheren Behördenjob mit kinderfreundlichen Arbeitszeiten angenommen hat. Nachdem seine Kollegin Roberta überraschenderweise stirbt, „erbt“ er ihren Fall um das Kinderheim Krokur. Dort und nicht im Gefängnis wurden in den 1970er Jahren Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren untergebracht, die kleine Dinge ausgefressen hatten und um sie von den schlechten Einflüssen fern zu halten. Odinns Neugier wird geweckt, als er feststellt, dass zwei dieser Jungen umgekommen sind.
Daneben beschäftigt Odinn auch immer wieder der Tod der Mutter seiner Tochter Run. Weil er bemerkt hat, dass das elfjährige Mädchen noch nicht darüber hinweg ist, dass die Mutter aus dem Fenster gefallen ist, entscheidet er sich doch für eine Therapie für Run.
Immer wieder wird in Rückblenden aus der Sicht von Aldis, einer Angestellten in Krokur, über die Umstände im Heim erzählt. Dabei ging tatsächlich manches nicht mit rechten Dingen zu.

Meine Meinung:

Das Buch liest sich flüssig und beschäftigt sich mit Themen, über die nicht gerne gesprochen wird. Neben dem Thema Selbstmord wird auch die Be- bzw. Misshandlung von Kindern in Kinderheimen angesprochen, was mich ins Nachdenken bringt.
Der Anfang ist der Autorin sehr stark und spannend gelungen. Vieles ließ mich gruseln, die Angst und Zweifel  der Protagonisten war für mich erlebbar, aber ich hoffte auf mehr. Während die Spannung nach wie vor vorhanden war, nahm das Gruseln im Laufe des Buches ab. Ich war aber immer neugierig auf das Ende, das mich dann anders erschreckt hat als erwartet.
Für vieles Gruselige findet sich im Nachhinein eine logische Erklärung, aber manche Dinge waren mir am Ende noch nicht klar, manche lose Enden wurden nicht verknüpft.

Mein Fazit:

Dieses Buch ist durchaus lesenswert für Fans der nordischen Krimiliteratur, aber es wird nicht zu meinem Lieblingsthriller.

Montag, 18. November 2013

Friedhof / Solange am Himmel Sterne stehen (Kristin Harmel)


Fakten: 

Gelesen bis: S. 97
Gefühl beim Lesen: Langeweile
Größte Schwäche: Realitätsfern in jeglicher Hinsicht
Kleines Lob: Rezepte integriert!






Meine Kurzmeinung:

Wie hochgelobt dieses Buch doch ist! Emotional soll es sein, tief bewegend. Einige Frauen in meinem Umfeld haben mir dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt mit dem Satz: "Lass dich nicht vom kitschigen Cover abschrecken!" - vielleicht hätte ich das besser tun sollen...

Mein erster Gedanke nach 10 Seiten war: "Mensch, ist das flach..." - doch ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass mir die Figuren irgendwie näher ans Herz wachsen und ich auch über manch' leidige Wortwiederholung hinwegsehen kann. Leider ist das nicht passiert. Am meisten hat mir die Szene zu denken gegeben, in der die Protagonistin Hope zum ersten Mal ihre demenzkranke Großmutter im Krankenhaus besucht. Die Autorin versucht verbissen, auf meine Tränendrüse zu drücken - schafft es aber irgendwie nicht. Es bleibt für mich "Pseudo"-emotional und trifft mich nicht. Die Dialoge klingen gestelzt, die Charaktere verhalten sich 100 % in dem Schema, in das sie gesteckt werden. Keinerlei Überraschungen.

Letztendlich habe ich auf Sandras (Ideen-Sammelsurium) Rat gehört. Sie warnte mich vor dem triefenden Schluss ;-) Und auf ein unbefriedigendes Ende hatte ich am wenigsten Lust.

 [Was ist der Friedhof der Bücher?]

Mein "Friedhof der Bücher" / Was ist das?

Es wird Zeit für eine neue Rubrik auf meinem Blog! Dem "Friedhof der Bücher"...klingt gruselig.

Gruselig ist vor allem, wie viel Zeit man manchmal in Bücher steckt, die man besser schon nach 50 Seiten zur Seite gelegt hätte.

Lange habe ich in der Überzeugung gelebt, dass ich JEDES angefange Buch auch zuende lesen muss. Ob es mein persönlicher Ehrgeiz war oder vielmehr die Angst, etwas zu verpassen, weiß ich nicht. Vielleicht war es auch das Gefühl, dem Buch bzw. dem Autor keine faire Chance einzuräumen.


Irgendwann hörte ich den Satz: "Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen!" - und genauso sehe ich es mittlerweile mit Büchern. Warum muss ich mich seitenweise durch einen Wälzer quälen, obwohl ich gedanklich schon längst beim nächsten Buch bin? Wenn es mich nicht packt, ist es einfach nicht gut. Bumms, aus. Zumindest für mich!

Anlässlich meiner zuletzt abgebrochenen Lektüre kam mir also die Idee zu dieser neuen Rubrik. Denn ich finde, man kann kein Buch rezensieren, das man nicht zu Ende gelesen hat. Aber trotzdem habe ich eine Meinung zu diesen Büchern! Und es ist doch interessant zu wissen, WARUM jemand ein Buch abgebrochen hat.

Ich möchte aber dazu sagen: Meine "Begräbnisse" sollen nicht vorrangig als Abschreckung oder Antiwerbung dienen. Dafür sind wir Menschen zu verschieden...es geht mir nur darum, mein Erlebnis zu reflektieren und zu verstehen.

Montag, 11. November 2013

Rezension / Das Verschwiegene (Linn Ullmann)

Über die Zeitschrift "Bücher" bin ich auf "Das Verschwiegene" aufmerksam geworden und habe es mir dann von meinem lieben Mann zum Geburtstag im August schenken lassen.

Klappentext:

Jede Familie hat ihre Geheimnisse …
… aber manchmal entwickelt das Verschweigen eine zerstörerische Kraft.

In einer norwegischen Küstenstadt findet in einer nebligen Julinacht eine große Party statt. Jenny Brodal wird 75, und ihre Tochter Siri hat gegen den Willen ihrer Mutter ein Fest organisiert. Die weiße Holzvilla auf einer Anhöhe leuchtet in die Nacht, während die Gäste eintreffen und Jenny in ihrem Zimmer sitzt und nach zwanzigjähriger Abstinenz wieder zu trinken beginnt …

Wie jedes Jahr verbringen Siri, die in Oslo und an der Küste ein Restaurant führt, und ihr Mann Jon den Sommer hier, nur haben sie diesmal ein Kindermädchen für ihre beiden Töchter engagiert, weil Jon keine Zeit hat, sich um Liv und Alma zu kümmern: Er ist Schriftsteller und muss endlich sein überfälliges neues Buch abschließen. Mille, das Kindermädchen, ist 19 Jahre alt und hat vor, in diesem Sommer eine andere zu werden. Doch dann verschwindet Mille spurlos in dieser Nacht. Jeder aus der Familie hatte eine eigene Beziehung zu Mille, die er vor den anderen verbirgt. Ihr rätselhaftes Verschwinden rührt aber auch andere, tiefe Gefühle auf, nie vergessene Verletzungen, nie gelebte Sehnsüchte, Ängste und Unsicherheiten. Behutsam dringt Linn Ullmann in die Geschichte ihrer Figuren vor, trägt Schicht um Schicht der Fassade ab, bis wir ihnen so nahe kommen, dass wir verstehen, warum sie lügen und Alpträume haben, warum sie feige sind oder gemein. Sie bringt sie uns so nahe, dass wir uns selbst in ihnen erkennen.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch einerseits fasziniert und bedrückt, andererseits etwas ratlos zur Seite gelegt.

Aber ich wusste sofort zu Beginn: es handelt sich um ein ansprechendes und intelligentes Buch, das meine ganze Aufmerksamkeit verlangen wird. "Harte Kost", sozusagen. Ein Buch, das in menschliche Abgründe eintaucht.
Keiner der vorgestellten Charaktere scheint "normal" zu sein - aber was ist schon normal? Wie definiere ICH normal? Das Buch zwingt einen, sich für das Wesen anderer zu öffnen und Emphatie zu lernen.

Schwierig war für mich zu Anfang auch der Schreibstil:
Schachtelsätze, wohin das Auge reicht. Der längste, den ich entdecken konnte, ging über eine ganze Buchseite. Und doch gelingt es der Autorin dabei, den Leser in diesen Satz zu verstricken und den Satz völlig verständlich zu machen. Wir haben es hier mit einem ganz besonderen Stilmittel der Autorin zu tun. Die vielen, vielen Gedanken der Charaktere verirren sich nämlich in diesen langen, manchmal unsortierten Sätzen - und zwar ganz leise und NUR in Gedanken. Die direkte Rede fällt eher karg aus.

Linn Ullmanns Thema in diesem Buch ist die Kraft der Kommunikation zwischen Menschen, insbesondere im engen Familienkreis. Und was es für Konsequenzen nach sich zieht, wenn zwei Menschen ihre Gedanken nicht so teilen, wie es gesund für ihre Beziehung wäre.

Gefallen hat mir der Kontrast zwischen dieser ländlichen, norwegischen Idylle (und dem nach außen hin geordneten, ruhigen Leben, das die Bewohner in dieser Idylle führen) und der Getriebenheit, der Unsicherheit und der Unruhe, die die meisten der vorgestellen Personen ganz tief in ihrem Inneren plagt.

Die aktuellen Ereignisse und Rückblenden werden immer wieder aus einer anderen Perspektive aufgerollt:
Aus Sicht der unterkühlten, kontrollierten Mutter und Ehefrau. Aus Sicht des untreuen Ehemanns, der auch sonst wenig Disziplin an den Tag legt. Aus Sicht der rebellischen Tochter. Aus Sicht der resignierten Großmutter. Immer wieder wird der Versuch gestartet, Ordnung in das undefinierbare Chaos ihrer Gedanken zu bringen. Ganz alleine, aneinander vorbei. Vorbei an Schicksalsschlägen. Vorbei an Schuldgefühlen. Man kommt als Leser nicht umhin, Mitgefühl zu entwickeln - seien die Gedanken und Taten der Charaktere noch so verwerflich.

Der Mord an Mille, dem Kindermädchen der Familie, ist in gewisser Weise das zentrale Ereignis - und ist doch nicht der KERN der Geschichte. Anlässlich ihres Todes wird den Nahestehenden klar, was in ihrem Leben TOT ist, bzw. am sterben ist. Und für den Leser ist es wie ein Unfall: er muss einfach geschockt hinsehen. Doch die Protagonisten verschließen weiter die Augen, wo sie nur können - und man möchte sie am liebsten wachrütteln. 

Der Schluss ist sehr offen, bringt aber Hoffnung darauf, dass die Geschichte der Beteiligten, auch wenn sie nicht weitergeschrieben wurde, zu einem guten Ende führt. Und von daher war das Ende in gewisser Hinsicht befriedigend.

Fazit: 

Das Buch ist nicht nur für Menschen geschrieben, die sich für Psychologie oder komplizierte Familienbindungen interessieren. Es ist auch für Menschen geschrieben, die etwas über eine zwischenmenschliche Grundregel lernen möchten: und zwar der, dass man Menschen, die man liebt, auch manchmal mit Ehrlichkeit verletzen muss.

Mittwoch, 6. November 2013

Blogparade / "Was fasziniert mich an Büchern und Bibliotheken?"

Meine Freundin Christina hat mich auf eine schöne Aktion aufmerksam gemacht:

Blogparade bei Rheinland-Pfalz Blogger:  

"Bibliotheken und Bücher - zeitlose Faszination"
Bibliotheken und Bücher – zeitlose Fazination
Bibliotheken und Bücher – zeitlose Fazination
Bibliotheken und Bücher – zeitlose Fazination

Natürlich sehe ich mich als Buchbloggerin in der Pflicht, zu diesem Thema meinen Senf abzulassen ;-)


Beim Gedanken an den Fortschritt im Bereich "digitale Medien und Bücher" wird selbst MIR als offenen Menschen, was technische Neuerungen angeht, etwas mulmig zumute. Mit meinem Hang zur Dramaturgie spinne ich die Gedanken weiter: wird man den Schülern in der Zukunft keine Handschrift mehr beibringen? Wird das Papier komplett abgeschafft? Gibt es dann nur noch Tablets? Aber nun eins nach dem anderen...

Im Bereich "Über mich" schreibe ich, dass ich mich mit der digitalen Buchform noch nicht so recht anfreunden kann (obwohl ich es probiert habe!) und fleißig Papier horte.Vielleicht ist es die Sammlerin in mir, vielleicht stehe ich einfach nur darauf, ganz feierlich ein Buch zu kaufen, es auszupacken, daran zu schnuppern und es ins Regal zu stellen. Mir geht es also nicht nur um das Leseerlebnis, sondern auch um das Fühl-/ Dufterlebnis oder die Freude an einem ansprechenden Cover. Ich "lebe" Bücher.

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Aber schafft man solche Erlebnisse nicht schon in anderen Bereichen ab? Beispiel "Essen":
Alles muss schneller, günstiger und praktischer werden. Man kauft günstiges Fleisch, kocht schnelle Gerichte, sitzt nicht lange mit der Familie am Tisch. Mahlzeiten werden meiner Meinung nach weniger zelebriert als früher - was schade ist, denn dabei geht Familienzeit verloren. Der Trend geht mittlerweile zum Glück schon wieder in eine andere Richtung, was mich sehr erleichtert. Alte Traditionen werden dadurch geschützt.

Genauso ist es mit dem Gang in eine Bibliothek. Geht es nicht darum, sich bewusst Zeit zu nehmen, sich auf den Weg zu machen? Gerade als Mama merke ich, wie wichtig mir meine Auszeiten sind. Ein paar Stunden in der Bibliothek bedeuten für mich einfach nur: ABSCHALTEN. Das ist meine ganz persönliche Freizeit, meine Wellnesszeit. Und das kann mir auch kein "Onleihe" ersetzen.

Und trotzdem finde ich es wichtig, dass Bibliotheken ansprechend bleiben und BEIDES bieten. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich bin da kein Freund der Extreme. Nur weil ICH mit eBooks nichts anfangen kann, dürfen Bibliotheken ihren Auftrag nicht ignorieren. Ich kenne unzählige Menschen, die parallel lesen: abends wird auf dem Sofa ein "echtes" Buch gelesen und in den Urlaub nimmt man den eBook-Reader mit.

Meine Aufgabe ist es im Moment, ein gutes Maß zu finden. Denn Bücher sind auf Dauer kostspielig und nehmen Platz weg - weshalb ich auch gerne auf das traditionelle Angebot von Bibliotheken zurückgreife. 

Montag, 4. November 2013

Rezension / Lost places (Johannes Groschupf)

Eher zufällig bin ich über Lovelybooks an “Lost Places” von Johannes Groschupf geraten und konnte mir unter dem Titel zunächst gar nichts vorstellen.

Der Klappentext gibt aber schon das Wichtigste her: eine Handvoll Jugendlicher erforscht das vergessene und verlassene Berlin. Sie sind sogenannte „Urban Explorer“, die wie Katzen durch die Nacht schleichen. 

Da ich vorher noch nie etwas von Urban Explorern gelesen hatte (es scheint ein richtiges Hobby zu sein), musste ich mich natürlich um ein Rezensionsexemplar bewerben.  

Klappentext: 


Die Jugendlichen Chris, Moe, Kaya, Steven und Lennart sind Urban Explorers: Im nächtlichen Berlin erkunden sie stillgelegte Fabriken, leer stehende Häuser und verfallene Krankenhäuser. Doch was als aufregendes Abenteuer beginnt, wird bald ein riskantes Unterfangen. Denn die verlassenen Gebäude bergen nicht nur Charme, sondern auch Schrecken. Als die Freunde in einem halb verfallenen Haus eine Leiche entdecken, vermuten sie, dass die Motorradgang Bandidos dahintersteckt. Und dann wird es richtig gefährlich.Mehr anzeigen




Meine Meinung: 


Ich habe das Buch in 2 Tagen verschlungen, was für mich als selbsternannte „Langsamleserin“ schon sehr beachtlich ist.


Der Einstieg in das Buch fällt leicht: Groschupfs klare, knackige Sprache verleitet zum ständigen Weiterlesen. Auch wenn die ersten Seiten eher beschreibend sind, bzw. die richtige Handlung noch auf sich warten lässt, wird der Fokus schnell auf die sehr unterschiedlichen Charaktere unserer Clique gelenkt. Charaktere, die man unbedingt näher kennenlernen möchte. Was bewegt sie? Warum sind sie so drauf? Doch so unterschiedlich sie auch scheinen: es verbindet sie etwas. Nämlich die Sehnsucht nach Abenteuern und dem Ausbruch aus dem Alltag. 


Die Beziehungen der jungen Leute untereinander und zu ihren Familien werden schonungslos ehrlich beschrieben. Man merkt, dass der Autor sich eingehend mit den Wünschen und Abneigungen dieser Generation (die nicht seine eigene ist) beschäftigt hat. Das hat mir sehr gefallen…man wird selbst wieder jung, erinnert sich, beginnt zu verstehen. 



Zum Schreibstil im Allgemeinen: Extraklasse. Auf souveräne Art wird Spannung aufgebaut und aufrechterhalten. Obendrein fühlt man sich beim Lesen, als wäre man Live dabei - mit der Taschenlampe/ dem Zippo/ dem Handy in der Hand. Die Bilder, die manchmal im Kopf entstehen, sind wirklich schauderhaft…


Auch die Liebe und das Knistern zwischen zwei Urban Explorern kommt nicht zu kurz und sorgt für eine explosive Mischung. 


Sehr interessant war für mich auch das Hintergrundwissen über die (auf dubiose und erstaunliche Art) verlassenen Gebäude in Berlin. Fabriken, ein Kinderkrankenhaus, eine Frauenklinik, ein Sanatorium inkl. Inventar…diese Kulissen eignen sich wirklich wunderbar als gruselige Schauplätze in dieser Geschichte. Und erzählen sogar ihre eigene Geschichte…


Der Schluss war sehr rund und befriedigend, aber in meinen Augen leider nur mäßig überraschend. Nach den vorhergehenden Steilvorlagen habe ich wohl mehr vom Ende erwartet.


Fazit: 


Ich selbst wäre im wahren Leben viel zu feige dafür, mich als Urban Explorer auf den Weg zu machen. Und daher bin ich umso glücklicher, dass ich voll und ganz in die Welt unserer Urban Explorer in "Lost places" abtauchen konnte – und zwar mit Haut & Haaren.


Dieses Buch hat mich insgesamt überrascht, gefesselt, fasziniert!

Wer Lust darauf hat, Berlin von seiner stillen, verlassenen Seite kennenzulernen und sich dabei gehörig zu gruseln, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen!