Dienstag, 23. Juli 2013

Rezension / Das Leben ist kein Kindergeburtstag (Daniela Nagel)


Bei einer Lovelybooks-Verlosung habe ich das genannte Buch von Daniela Nagel gewonnen – und um ehrlich zu sein: anders wäre ich wohl nicht in den Genuss dieser Lektüre gekommen. Diese „typischen“ Frauenbuch-Cover schrecken mich in der Regel eher ab.



Klappentext:

Storch lass nach! Das Mamiversum schlägt zurück.

Die junge Lektorin Alice plant einen Ratgeber für coole Mütter. Dumm nur, dass sie von Kindern nicht den blassesten Schimmer hat! Ihre Nachbarin Eve, Mutter von Drillingen, ist für Alice das Paradebeispiel für alles, was uncool ist – gestresst, chaotisch, unorganisiert. Doch Eve ist die Einzige, die Alice zu Recherchezwecken ausquetschen könnte. Also schließen die beiden Frauen einen Pakt: Eve führt Alice in die unbekannte Mütterwelt, das Mamiversum, ein, im Gegenzug coacht Alice ihre Nachbarin in Sachen Lebensglück.
Das Happy End könnte für beide in greifbare Nähe rücken …doch irgendwas ist ja immer!

Mein Eindruck: 

Das Buch ist nicht in Kapitel, sondern vielmehr in drehbuchähnliche, kurze Szenen unterteilt – was mir sehr gefallen hat. Die Szenen sind abwechselnd aus Alices und Eves Perspektive geschrieben.

Wir haben es hier mit zwei Frauen zu tun, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und im Grunde zwei Lager darstellen: zum einen „die Mütter“ und zum anderen „die kinderlosen Karrierefrauen“.
Alice, die kinderlose Karrierefrau, ist mir natürlich von Anfang an ein Dorn im Auge, weil ich selbst Mutter bin. Man solidarisiert sich zwangsläufig mit einer der Protagonistinnen – vielleicht auch ohne es zu wollen.
Doch ich werde im Laufe des Buches immer milder gestimmt, was Alice betrifft. Mal ehrlich: waren wir VOR den Kindern nicht auch so naiv und wissen es nur nicht mehr? Das arme Ding will doch nur helfen.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, die beiden lernen sich näher kennen und dringen immer mehr in das Leben der anderen ein. Ihre Erlebnisse sind teils herrlich komisch und realitätsnah, teils sehr emotional – und zwischendurch leider auch etwas unrealistisch mit Tendenz zum Kitsch.

Die Protagonistinnen sind mir sehr ans Herz gewachsen – die anderen Figuren waren mir etwas zu stereotyp: der gutaussehende, rationale Arzt…das Schwieger-Monster und ihr höriger Mann, die Alice-Schwarzer-Mutter,…

Leider finden wir auch unlogische Passagen. Gestört hat mich z.B. die Wiedergeburt von Video und Diskette.     
                                                            
Aber: trotz der genannten Kritikpunkte hatte ich eine sehr gute Zeit mit dem Buch! Es hat mich zum Lachen, aber auch fast zum Weinen gebracht. Stellenweise kam mir der Gedanke, dass diese Lektüre auch ein echter Lebensratgeber und Mutmacher für Mütter darstellt, die sich selbst aus dem Blickfeld verloren haben und an ihrer Kommunikation arbeiten sollten.

Es wird auch klar, dass Feminismus nicht immer was mit der Arbeitsstelle/ Berufstätigkeit oder der Einschätzung anderer, sondern mit der eigenen Einstellung zu tun hat. Lebe ich leidenschaftlich? Wie kann ich meine Situation ändern, wenn ich unglücklich bin?

Mein Fazit:

Ich habe (zu meiner Erleichterung) ein Vielfaches mehr an Ernsthaftigkeit in diesem Buch gefunden, als ich erwartet hatte. Das Leben als Mutter kann eben hart sein und Tränen bleiben nicht aus.
Manchmal kann ich meine eigene "Alice" sein, eine, die sich selbst aus dem Mist zieht...aber es gibt auch Zeiten, in denen ich andere "Alices" brauche - Alices, die mich aufpeppeln und mir helfen, den Blick wieder auf persönlichen Ziele und Bedürfnisse zu richten.

Dieses Buch hat mich auf jeden Fall darin bestärkt, mich selbst wieder ernster zu nehmen – ohne dabei meinen Sarkasmus zu verlieren!

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