Dienstag, 23. Juli 2013

Rezension / Das Meer in deinem Namen (Patricia Koelle)

Eine Freundin hat mich auf die Leserunde bei Lovelybooks zu „Das Meer in deinem Namen“ aufmerksam gemacht, da mich Geschichten rund um Familiengeheimnisse faszinieren. Daraufhin habe ich mein Glück versucht - und tatsächlich ein Rezensionsexemplar gewonnen. 




Klappentext:

Carly wächst bei ihrer kauzigen Tante Alissa auf. Niemand redet darüber, wie ihre Eltern ums Leben kamen. Der Tod ist in Familiengesprächen ebenso tabu wie alles, was mit dem Meer zusammenhängt. Gerade nach dem Meer aber sehnt sich Carly ihre ganze Kindheit hindurch.
Nun ist Carly erwachsen und arbeitslos. Ausgerechnet ihr Ex-Chef, in den sie verliebt ist, macht ihr ein Angebot. Sie soll ein altes Haus an der Ostsee für den Verkauf vorbereiten. Vier Sommerwochen hat sie dafür Zeit. Das ist Carlys Chance, heimlich ihrer Sehnsucht zu folgen, sich ihrer Angst und ihren verschwommenen Erinnerungen zu stellen und Abstand von ihrer unmöglichen Liebe zu gewinnen.
Doch kaum angekommen, stellt sie fest, dass auch dort ein Mann spurlos verschwunden ist. Und nicht nur das, sie fühlt sich der Frau, die in dem Haus gewohnt hat und der sie angeblich ähnlich sieht, seltsam nahe. Überall findet sie geheimnisvolle Notizen.
Die Toten scheinen hier nicht unerreichbar weit fort. Und wer ist der Mann mit den hellen Augen, der manchmal am Strand gesichtet wird und von dem es heißt, er würde immer dann erscheinen, wenn eine Sturmflut bevorsteht…?

Mein Eindruck: 

Zunächst überwog bei mir die Skepsis: Unbekannte Autorin, kleiner Verlag, eher unscheinbares Cover.
Daher fiel es mir anfangs sehr schwer, das Buch nicht ausschließlich „wertend“ zu lesen, sondern mich zurückzulehnen und zu genießen.

Nachdem der Leser anfangs sehr viele Informationen über die Protagonistin und ihr Umfeld erhält, nehmen die charaktertypischen, belebten Szenen von Kapitel zu Kapitel zu …es ist, als würden die Charaktere nach und nach zum Leben erwachen bzw. von Schwarz-Weiß-Figuren zu dreidimensionalen Figuren in Farbe mutieren. 

Carly, die Protagonistin, wuchs mir sehr schnell ans Herz und das erste Dilemma ließ nicht lange auf sich warten - was mir geholfen hat, meinen Verstand endlich abzustellen und mich so richtig auf die Geschichte einzulassen.

Die Geschichte läuft in zwei Erzählsträngen bzw. –perspektiven, die in Vergangenheit und Gegenwart spielen. Dadurch wird diese nicht weniger verständlich, sondern vielmehr spannender und facettenreicher. 

Über den Schreibstil von Patricia Koelle wird am Ende des Buches gesagt:
"Die bildhafte Sprache fängt den Leser ein, lässt ihn in die Texte reisen und mit einem erfrischten Blick für den heimlichen Glanz im Alltag wieder auftauchen.“
Und genau das kann ich an dieser Stelle voll und ganz bestätigen. Auch wenn die Ausdrucksweise manchmal umständlich oder holprig ist bzw. manche Sätze mit Adjektiven überladen sind, ist die Sprache trotzdem bildhaft, mitreißend und positiv ansteckend. Ich konnte das Meer plötzlich selbst fühlen, schmecken, riechen, erleben…und spürte plötzlich eine große Sehnsucht nach Einsamkeit, Ursprünglichkeit und Ruhe. Die alltäglichen Handlungen, die das Leben in einem urigen Haus am Meer mit sich bringen, werden liebevoll zelebriert.

Wichtige Themen wie Einsamkeit, besondere Freundschaften, Solidarität, Liebe, Leben und Tod werden keineswegs plump oder oberflächlich behandelt, sondern fügen sich tiefgründig in die Geschichte ein.
Auch andere Themen, die der Autorin wichtig sind (z. B. die Astronomie, das Meer, die Kunst in allen möglichen Formen…) können absolut ernst genommen werden, da an den entsprechenden Stellen offensichtlich die nötige Recherche stattgefunden hat. Vieles ist hochinteressant!

Einige Passagen sind fast mystisch und voller Symbolik – regen zum Nachdenken an. Im Gegensatz dazu kommt auch der Humor in diesem Roman nicht zu kurz.

Man merkt schnell, dass die Protagonistin der Autorin im Laufe des Schreibprozesses selbst stark ans Herz gewachsen ist. Und dies sorgt für die nötige Authentizität. Auch die anderen Charaktere konnte ich meist bedenkenlos ernst nehmen.

Hier kleine Kritikpunkte meinerseits:

Die Herangehensweise der Autorin, die Handlung voranzutreiben, ist grenzwertig. "Zufälle" häufen sich so stark, dass die Glaubwürdigkeit fast darunter leidet. Nichtsdestotrotz wird in Summe die Balance gehalten. Ganz unschlüssige Szenen gibt es nicht. Im Grunde muss ich sagen: wünsche ich mir nicht, von solch „guten Fügungen“ in einem Buch zu lesen?

Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass ein waschechter Antiheld fehlt. Der einzige „Feind“, den Carly sieht, ist der Tod. Ansonsten hat Carly einfach nur mit alltäglichen Konflikten zu kämpfen. Doch diese reichen aus, um den Leser zum Weiterlesen zu zwingen und die nötige Spannung zu erzeugen. Keine der Szenen ist irgendwie überflüssig oder lässt die Geschichte stocken.

Das Ende ist befriedigend und lässt trotzdem noch ein paar Fragen offen. Es ist auf alle Fälle noch ausreichend Potenzial für die Fortsetzungen vorhanden!

Mein Fazit:

Ich habe „Das Meer in deinem Namen“ mit großer Freude gelesen und kann abschließend sagen, dass es sich um einen echten Geheimtipp handelt. Das Buch kann bedenkenlos an das entsprechende Publikum weiterempfohlen werden.

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf meinen nächsten Ausflug an die Ostsee!

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