Montag, 26. August 2013

Rezension / Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung (Catrin Barnsteiner)

Aus persönlichen Gründen war ich mehr als gespannt auf dieses Buch. Warum? Der Protagonist: ein schwäbischer Finanzbeamter! An dieser Geschichte kommt eine „neigschmeckte“ Schwäbin, die eine Ausbildung auf dem Finanzamt genießen durfte, natürlich nicht vorbei.

Klappentext:

Fred Eisenbogen ist so korrekt, dass er Tipp-Ex pinkelt. Doch dann sieht er Sandra Schläpple in Sommerkleid und Gummistiefeln mit ihrer Steuererklärung im erdverschmierten Kuvert vor der geschlossenen Spätpost stehen. Sie verdreht ihm so heftig den Kopf, dass er nicht mehr weiß, wo sein Beamtenscheitel sitzt: Sandra, die verträumte Gärtnerin, liebt Unkraut und Chaos und kommt aus einer Familie, die sonntags bei Kaffee und Kuchen immer neue Pläne schmiedet, das Finanzamt auszutricksen. Fred dagegen ist der beste Prüfer im Finanzamt Böblingen – er ist nur noch nicht dazu gekommen, ihr das zu beichten. Doch dann landet ihre haarsträubende Steuererklärung zur strengen Prüfung ausgerechnet auf seinem Tisch. Und Fred erscheint es aussichtslos, jemals Sandras Herz zu gewinnen.

Meine Meinung: 

Wir haben es mit 224 Seiten zu tun - daher kommt die Story mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren aus. Doch jede Figur ist einzigartig und auf ihre extreme Art gezeichnet: Fred, der korrekte und eher wenig spontane Beamte. Sandra, die kreative und chaotische „Lebefrau“. Und noch ein paar mehr.
Und die Interaktion dieser Charaktere sorgt natürlich für Trubel. Aber dieser Trubel bleibt in meinen Augen vorhersehbar.
Die Geschichte ist trotz allem schön und flüssig zu lesen und unterhält bis zu einem gewissen Grad. Mir persönlich hat natürlich gefallen, dass sie in meiner Heimat spielt.
Einige Gedanken haben mir richtig gut gefallen…z.B. der, dass korrekte Menschen vielleicht deshalb so korrekt sind, weil sie die Notwendigkeit einer 2. Chance vermeiden wollen. Interessanter Ansatz.
Fred und Sandra sind auf ihre Art einfach nur „putzig“ - aber dabei bleibt es auch. Die charakterliche Entwicklung, die die beiden scheinbar durchmachen, fühlt sich irgendwie gezwungen an. Fred beispielsweise verhält sich an manchen Stellen nicht so, wie man es von ihm erwarten würde. Auch wenn man sich als Leser facettenreiche Figuren wünscht, müssen diese glaubhaft bleiben. Fiktion hin oder her.

Mein Fazit:

Das Buch ist für mich eines der Kategorie: „Gerne gelesen, aber schnell wieder vergessen“. Die Ausschläge in Richtung „spannend“ oder „witzig“ halten sich in Grenzen, weshalb ich mich nur mäßig unterhalten gefühlt habe.
Wer gerne mal wieder über das Finanzamt oder die Schwaben schmunzeln möchten, ist hier an der richtigen Adresse.

Sonntag, 18. August 2013

Rezension / Schwesterlein, komm stirb mit mir (Karen Sander)

Mit großer Vorfreude habe ich mir den Debütroman von Karen Sander, einer deutschen Autorin, gekrallt und überlegt, ob der Inhalt wohl genauso „amerikanisch“ daher kommt wie das Cover und der Titel des Buches.
Mit „amerikanisch“ meine ich: Hochspannung und viel Drumherum - doch dürftiger, an den Haaren herbeigezogener Plot. 



Klappentext:

Du hast mich vergessen. Doch ich vergesse nicht.
Eine Frau wird in ihrer Wohnung umgebracht. Regelrecht abgeschlachtet. Hauptkommissar Georg Stadler fühlt sich an einen früheren Fall erinnert. Ein Serienmörder? Keiner der Kollegen glaubt daran: Denn für die erste Tat sitzt bereits ein Mann in Haft. Stadler bittet eine Psychologin um Hilfe. Liz Montario hat im Vorjahr spektakulär eine Mordserie aufgeklärt. Sie sagt zu, obwohl sie selbst bedroht wird. Denn jemand schreibt ihr anonyme Briefe. Jemand, der sehr viel über sie weiß. Es kommt zu weiteren Morden. Und Liz beginnt sich zu fragen: Ist hier wirklich ein Serienmörder am Werk? Oder ein Mörder, der einen Serienmörder spielt?

Meine Meinung:

Das Buch beginnt sehr temporeich. Nicht nur aufgrund des fesselnden Inhalts, sondern auch aufgrund der kurzen Kapitel, die den Leser von einem zum anderen Schauplatz katapultieren.

Recht bald treten wir mit Hauptkommissar Stadler an den ersten blutigen Tatort - und werden mit folgendem Satz konfrontiert: „Ich hoffe, dein Magen ist stabil“… eine bekannte Floskel, die selbst ICH als Krimiunerfahrene schon mal gehört/ gelesen habe. Schade, denn das verpasst meiner Euphorie einen Dämpfer. Manchmal sind es die Details, die mir schon ein gewisses Bild über die Lektüre vermitteln.

Zu meiner Erleichterung stockt die Handlung aber kaum und auch die Konflikte bleiben nicht aus: entweder stört ein „ungeschickter“ Charakter oder der omnipräsente Mörder die Ermittlungen. 
Fragen werden nach und nach beantwortet, doch werden auch wieder neue Fragen aufgeworfen. Genauso, wie man es sich von einem guten Krimi wünscht. Ich hatte wirklich viel Spaß beim Lesen und Rätseln!

Auch die Protagonisten, Hauptkommissar Georg und Psychologin Liz, sind mir von Anfang an sympathisch. Insbesondere, weil auch ihre charakterlichen Schwächen sehr bald beschrieben werden. Dass es sich in gewisser Weise um Stereotype handelt, blende ich bewusst aus.
Es besteht ein Spielraum für charakterliche Veränderung und das ist für mich die Hauptsache.

Doch dann kommt für mich der Absturz: das mehr oder weniger offene Ende.

Man muss dazu sagen, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt und eine Fortsetzung zu erwarten ist. Dennoch war der erste Band für mich nicht ausreichend in sich geschlossen und das Ende unbefriedigend. Es bleiben zu viele Details ungeklärt und mich beschleicht im Nachhinein das Gefühl, dass ich noch einige Logikfehler finden würde, wenn ich sie bewusst suchen würde. Und das Schlimmste an diesem Ende: in meinen Augen hat das Recht nicht wirklich gesiegt.
Fazit:

Da es eine wirklich kurzweilige, gut zu lesende Lektüre ist und ich noch starke Hoffnungen in die weiteren Bände setze, würde ich „Schwesterlein, komm stirb mit mir“ weiterempfehlen. Es lohnt sich auf alle Fälle, das Ermittlerduo Stadler & Montario kennenzulernen.

Leider muss ich an dieser Stelle trotzdem 2 Sterne in meiner Bewertung abziehen: einen für das verpatzte Ende und einen für die teils unglaubwürdigen und unlogischen Passagen. 


Dienstag, 6. August 2013

Rezension / Schlecht aufgelegt (Sven Stricker)

Über ein gewonnenens Exemplar und der dazugehörigen Leserunde bin ich auf Sven Stricker und seinen Debütroman aufmerksam geworden.

Klappentext:

Das war mit Abstand die fürchterlichste Woche seines Lebens. Und es war gerade erst Dienstag.» Paul Uhlenbrock schleppt sich so durchs Leben: Er hasst Berlin. Er hasst den Job im Call-Center, die unfreundlichen Kunden und die verkrachten Existenzen um sich herum. Und Kuli, den neuen, nervigen und anhänglichen Kollegen, den mag er auch nicht. Doch dann werden Kuli und Paul am Telefon unfreiwillig Zeugen eines Verbrechens. Tags darauf ist eine junge Floristin tot, und in Kulis Briefkasten steckt ein Foto: Es zeigt das Opfer mit einem berühmten Berliner Politiker - in eindeutiger Pose. Plötzlich ist Pauls Ehrgeiz geweckt. Er und Kuli beschließen, auf eigene Faust zu ermitteln. Und stolpern mitten in einen hochbrisanten Fall, der sich schnell als mindestens eine Nummer zu groß entpuppt …

Meine Meinung:

Ich bin normalerweise nicht "humorbehindert" - aber hey, es wird ein Mensch umgebracht und so. Naja...ich habe jedenfalls das erste Drittel des Buches gebraucht um dann für mich zu beschließen: wirf deine Logik über Bord und amüsiere dich! Die Beschreibung "Krimi" ist dabei vielleicht ein bisschen irreführend.

Die Protagonisten sind zum Schreien komisch. Man muss zwar erst mal warm mit ihnen werden, aber viele ihrer Gedanken und philosophischen Alltagsansätze sind einem selbst nicht unbekannt. Ich habe so viele Buchzitate notiert, dass es hier den Rahmen sprengen würde.

Ich habe aber nicht gezählt, wie viele Filme und Songtitel zitiert werden - jeweils passend zur Situation gewählt. Man kennt nicht alle Titel, aber jeder kommt auf seine Kosten.

Man merkt, dass der Autor nicht nur eigene Interessen, sondern auch eigene Lebenserfahrungen hat einfließen lassen. Besonders die Beschreibung der Beziehung zwischen dem Protagonisten Paul und seiner Tochter Luna  kommt 100 % authentisch beim Leser an. Und verleiht dem Buch einen ernsthaften Touch - was einen wunderbaren Ausgleich zum Rest darstellt.

Und wer war gleich der Mörder? Ach, egal...

Fazit:

Paul und Kuli - das Duo, auf das alle nach Dick & Doof, Patt & Patterchen und Ernie & Bert gewartet haben.
Wer sich kurzweilig locker machen kann, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

Donnerstag, 1. August 2013

Rezension / Marina (Carlos Ruiz Zafón)

Über meinen Buchclub bin ich auf "Marina" von Carlos Ruiz Zafón gestoßen.
Da ich "Der Schatten des Windes" und die zwei darauffolgenden Bücher von Zafón gelesen habe, war ich gespannt, was noch so aus seiner Feder entsprungen ist. Interessant war für mich auch die Tatsache, dass Marina VOR den oben genannten Werken entstanden ist, aber erst später  "vermarktet" wurde. 







Klappentext: 

 »Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine.« So beginnt Óscar Drai seine Erzählung. Der junge Held des Romans sehnt sich danach, am Leben Barcelonas teilzuhaben, und streift am liebsten durch die verwunschenen Villenviertel der Stadt. Eines Tages trifft er auf ein faszinierendes Mädchen. Sie heißt Marina, und sie wird sein Leben für immer verändern.

Meine Meinung: 

Ich bin begeistert von Zafóns bildlicher, poetischer Sprache, auch in seinem Buch "Marina".
Die Stimmung schwankt zwischen düster, verträumt, beängstigend – bis sogar humorvoll.
Diese Mischung fasziniert mich…außerdem schafft Zafón es, ohne abgedroschen klingende Formulierungen auszukommen.
Es gelingt ihm, Emotionen und Bilder im Leser zu wecken, ohne dass er hinterher genau weiß, warum er sich so und so beim Lesen gefühlt hat.
Ich gebe zu, dass ich manche Passagen überflogen habe, wenn mir zu viele Details enthalten waren. Aber an einigen Stellen hab ich mich dann doch selbst dazu motiviert zurückzuspringen um z.B. die Beschreibung einer regennassen Straße Barcelonas in der Dämmerung noch einmal Wort für Wort durchzulesen und auf mich wirken zu lassen.
Und wurde dafür belohnt - mit einem kleinen Ausflug nach Barcelona.

Zur Geschichte selber möchte ich nicht allzu viel sagen - nur, dass der
Leser am Ende etwas fragend zurückgelassen wird. Aber ich habe eine
eigene Interpretation gefunden.
Ist es nicht schön, wenn der Leser einen Teil selbst hinzudichten darf?

Fazit: 

Für mich steht immernoch fest: Zafón ist irgendwie "anders". Wer eine gelungene Abwechslung in seinem Lesealltag braucht und sich gerne mal in eine Welt voller Traumbilder entführen lässt, nehme dieses Buch zur Hand!