Donnerstag, 10. Oktober 2013

Rezension / Der Verrat (Val McDermid)


Über Karen Sander, der Autorin von „Schwesterlein, komm stirb mit mir“ bin ich auf „Der Verrat“ von Val McDermid aufmerksam geworden. Denn Sander arbeitet derzeit an einer Promotion über McDermid und ich nehme an, dass sie in puncto Schreiben ein großes Vorbild für sie darstellt.

Bisher habe ich noch keinen Roman von ihr gelesen und war sehr gespannt auf den Stil der hochgelobten Autorin.





Klappentext: 

Die Schriftstellerin Stephanie Harker muss am Flughafen von Chicago hilflos mit ansehen, wie ihr fünfjähriger Adoptivsohn Jimmy von einem Unbekannten entführt wird. Als sie, außer sich vor Verzweiflung, aus der Sicherheitsschleuse ausbricht, wird sie für eine Attentäterin gehalten und von der Security überwältigt. Erst die FBI-Agentin Vivian McKuras glaubt ihr. Doch da ist der Entführer mit dem kleinen Jungen schon längst verschwunden.

Meine Meinung: 

Schon zu Beginn des Buches macht sich Enttäuschung breit: die ersten 100 Seiten ziehen sich wie Kaugummi…nur Jimmys Entführung und Stephanies daraus entstehende Verzweiflung rufen kurzweilig Spannung hervor. Es folgt eine Menge langweiliger Ermittlungsszenen, Gespräche, Machtspiele und Verfahrensfragen…

Im weiteren Verlauf des Buches schöpfe ich wieder Hoffnung, denn endlich bekommen wir (über Rückblenden) einen Eindruck von unseren Protagonisten: wie sie jeweils in ihrer Kindheit geprägt wurden und wie das die Beziehungen untereinander beeinflusst. Die Story wird „plastischer“.

Besonders spannend ist für mich das Konfliktpotenzial, das in den Beziehungen steckt. Wir haben es mit sehr unterschiedlichen Freundinnen und charakterlich auffälligen Männern zu tun…diese undefinierbare Vorahnung auf ein Beziehungsdrama macht das Buch für mich deutlich spannender als eine einfache „Actionszene“.

Aber so richtig spannend wird das Buch maximal in den letzten Zügen. Ansonsten sind die schnellen und dramatischen Momente eher rar gesäht. Des Weiteren ist das Buch zu vorhersehbar, um in einem wirklichen „Showdown“ zu enden. 

McDermid versucht den Leser mithilfe von Cliffhangern bei der Stange zu halten - was in dieser Intensität aber gewaltig stört und einem Betteln gleicht.

Der Plot wirkt, final betrachtet, ziemlich an den Haaren herbeigezogen und konstruiert – und dummerweise verhält sich eine der Protagonistinnen am Schluss gar nicht so, wie man es von ihr erwarten würde. Das war für mich sehr enttäuschend.

Aber der allergrößte Minuspunkt geht an die Übersetzerin. Ich habe bisher bei keinem anderen Buch bewusst darauf geachtet, wie gut oder schlecht dieses ins Deutsche übersetzt wurde. Hier waren die Sätze teilweise so holprig – und nach meinem Empfinden sogar grammatikalisch fragwürdig -, dass ich ständig hängengeblieben bin. Das entspricht nicht meinen Erwartungen an einen renommierten Verlag…schade!

Fazit: 

Nach all den positiven Stimmen zu Val McDermid kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch eines ihrer schlechteren Werke war. Vielleicht sollte ich das eine oder andere ältere Buch von ihr lesen, um in den Genuss der „wahren“ McDermid zu kommen. Eine, die tatsächlich spannende Thriller schreibt. 


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