Dienstag, 28. Januar 2014

Rezension / Die verborgene Sprache der Blumen (Vanessa Diffenbaugh)













Bei einer Buchvorstellung (die schon vor einer ganzen Weile stattfand *räusper*) wurde mir dieses Buch empfohlen. Da ich mich noch nicht näher mit der Sprache der Blumen auseinandergesetzt habe und bisher eigentlich nur die Bedeutung der roten Rose kannte, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Auch die Geschichte, die sich in diesem Roman um das Thema rankt, klang vielversprechend.


Victorias ist ein Waisenkind. Bis zu ihrem 9. Lebensjahr wird sie von ihrer Betreuerin Meredith von einer Pflegefamilie zur nächsten geschickt. Diese sieht das eher als sportliche Herausforderung, denn ihr Mitgefühl für Viktoria hält sich in Grenzen.
Doch keine der Pflegefamilien hält es lange mit der Waise aus. Viktoria verschließt sie sich mehr und macht ihrer Wut Platz. Das Leben bei Pflegemutter Elizabeth, ihrer letzten Chance, steht unter keinem guten Stern. Doch Elizabeth ist anders als die anderen: sie versteht die Wut, die Victoria in sich trägt. Mit viel Nachsicht und Gefühl erarbeitet sie sich ihr Vertrauen. Nebenbei bringt sie ihr die Sprache der Blumen auf ihrem Weingut bei, für welche Victoria große Faszination empfindet.

In einem zweiten Erzählstrang lesen wir von Victoria als 18-jährige, die nach dem endgültigen Ausschluss aus dem betreuten Wohnheim obdachlos wird. Sie übernachtet übergangsweise in einem Park und pflanzt dort Blumen an, die ihr Trost schenken. Eines Tages bekommt sie unverhofft Arbeit in einem Blumenladen, denn sie kann die Inhaberin Renata von ihrem Können überzeugen. Während eines Besuchs auf dem Blumenmarkt lernt sie den Blumenhändler Grant kennen, der ganz offensichtlich auch ihre "Sprache" spricht. Doch Victoria hat große Mühe damit, die aufkeimenden Gefühle einzuordnen und anzunehmen.

Weiter erfahren wir, warum Victoria nicht bei Elizabeth bleiben konnte, was Grant in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielt, wie sich ihre Beziehung entwickelt und welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen.

 

"Möglicherweise konnten die Bindungslosen, die Zurückgewiesenen und die Ungeliebten ebenso wachsen und großzügig Liebe verschenken wie jeder andere auch."


Was den Inhalt des Buches betrifft, bin ich zwiegespalten: einerseits ist das Thema "Sprache der Blumen" ziemlich spannend. Man erfährt, weshalb es im viktorianischen Zeitalter in Mode war, seine Gefühle durch Blumenbotschaften auszudrücken. Die Wahl des Vornamens der Protagonistin Viktoria ist in diesem Zusammenhang wohl kein Zufall. In ihrem Leben werden die Blumen sogar zu etwas Mystischem, sie scheinen etwas in Gang zu bringen, das sie selbst nicht erwartet hätte. Andererseits ist die Geschichte um Viktoria ziemlich klischeemäßig. Ein schwer erziehbares, verstocktes Waisenkind, das plötzlich Liebe empfängt und mit dem Gefühl nichts anfangen kann.

Mit der Protagonistin Viktoria konnte ich mich einfach nicht anfreunden. Normalerweise habe ich kein Problem mit "charakterschwachen" Protagonisten. Niemand ist vollkommen und wer will schon etwas von einer vollkommenen Person lesen. Aber ihre abweisende, lieblose Haltung konnte ich schwer greifen und nachempfinden. Die Menschen, die zufällig in ihr Leben treten, bringen so viel Geduld und Nachsicht auf - und sie kann dieses Geschenk nicht annehmen und reagiert mit einer unverständlichen Abwehrhaltung. Gleichzeitig nervte mich z.B. Grants Art stellenweise sehr. Er lässt zwar nicht alles mit sich machen, bringt aber in meinen Augen dennoch übertrieben viel Verständnis für Viktoria auf.

Der Schreibstil war insgesamt sehr angenehm, allerdings hat mir stellenweise das Tempo gefehlt. Manche Szenen werden ins Endlose ausgedehnt, viele Aspekte werden wiederholt und nochmals hervorgehoben (obwohl es in meinen Augen nicht notwendig gewesen wäre). Es wird z.B. immer wieder beschrieben, wie Viktoria isst, schläft, über sich denkt etc...ihre Marotten eben.

Zur Schlüssigkeit: Stellenweise war der Plot in meinen Augen unrealistisch. Viktoria jahrelang keine Schule besucht, wird plötzlich obdachlos und schlägt sich trotzdem recht souverän durch. Vor allem ihr beruflicher Werdegang ist für mich unglaubwürdig. Natürlich erhält sie zunächst Unterstützung von Renata, ihrer Chefin, die sie aus irgendeinem Grund ins Herz schließt. Aber alles, was auf den Job im Blumenladen folgt, wirkt "zurechtgestutzt".

Mein Gesamteindruck war also durchwachsen. Meine Antipathie Viktoria gegenüber hat meinen Lesespaß etwas getrübt.

Insgesamt habe ich den Roman als recht langatmig und "unsympathisch" empfunden. Für Menschen, die sich stärker in die Psyche eines gebrannten Kindes einfühlen können als ich, mag das Buch genau das Richtige sein. Für mich reicht es leider nur für 3 Sterne.

Samstag, 25. Januar 2014

Rezension / Das Labyrinth der Wörter (Marie-Sabine Roger)
















Dieses Buch ist bereits 2008 in der französischen Originalausgabe erschienen und daraufhin verfilmt worden (mit Gérard Depardieu).
Ich bin Halbfranzösin und liebe die unvergleichbare Leichtigkeit, die man in vielen französischen Büchern und Filmen findet. Daher musste ich herausfinden, ob auch die Geschichte von Germain meine Meinung bestätigt.


Germain, der auffällige Hüne, hat keine leichte Kindheit: seine Mutter gibt ihm jeden Tag klar zu verstehen, dass er ein "Unfall" war und auch sein Klassenlehrer, der Germains Unsicherheit spürt, macht ihn zur Schnecke wo er nur kann. Germain vernachlässigt somit die Schule und bleibt bis zum Alter von 46 Jahren in dem Glauben, dass er ein Volltrottel ist. Er wohnt in einem Wohnwagen auf dem Grundstück seiner Mutter und geht praktischen Tätigkeiten nach, um seinen Lebenunterhalt zu finanzieren. Er hat eine feste Freundin, Annette - aber eher als Mittel zum Zweck, denn das Gefühl von "Liebe" ist ihm fremd. Auch ein paar Freunde gehören zu seinem Leben; wobei ihn nicht alle für voll nehmen.

Eines Tages trifft er im Park auf die zierliche Rentnerin Margueritte, die, wie er, Tauben zählt. Es entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen diesen beiden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Germain, der ungebildete Analphabet und Margueritte, die lesewütige Studierte. Als sie damit beginnt, ihm vorzulesen, eröffnet sich ihm eine völlig neue Welt.

Germain hat also wenig mit auf den Weg bekommen; weder genetisch, noch erziehungstechnisch gesehen. Die Autorin verdeutlicht in ihrem Roman, dass es mit dem nötigen Willen und Mut möglich, seinem Leben eine neue Richtung geben und Grenzen zu überwinden - ganz unabhängig von den äußeren Umständen. 


"Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren und verkaufen zu können."

"Ohne es zu wollen, hatte Margueritte eine verdammte Lust am Nachdenken in mir geweckt, so was wie ein Ständer im Hirn."


Wer inhaltlich einen komplizierten und anspruchsvollen Plot erwartet, wird enttäuscht werden. Und doch fesselt Germains Geschichte: es ist der Plot, der sich in seinem Kopf abspielt. Welche neuen Erkenntnisse sammelt er im Laufe seiner Freundschaft zu Margueritte? Welche Gefühle tun sich auf? Wie sieht seine Reaktion darauf aus, ganz praktisch? Wie reagieren seine Freunde darauf? Der Leser verfolgt gespannt Germains Entwicklung und hofft für ihn das Beste.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten - was nicht verwunderlich ist. Denn Germain erzählt seine Geschichte selbst. Und da er ein eher "einfach gestrickter" Typ ist, spricht er auch in sehr klaren und einfachen Sätzen. Das macht das Ganze eigentlich so amüsant: er schert sich nicht um Höflichkeitsformen und fragt sich auch nicht, wie seine Ausdrücke bei anderen ankommen. Der Leser muss manchmal ziemlich derbe Sätze schlucken. Aber die Botschaft kommt direkt an, es gibt nichts zu deuten.

Trotzdem erschien mir die Sprache stellenweise etwas ZU ausgefeilt, um 100 % zu Germain zu passen. Man findet wenig grammatikalische Fehler, die ihm durchaus zuzutrauen wären. Aber das kann auch an der deutschen Übersetzung liegen.

Insgesamt war der Plot schlüssig und durchaus realistisch; nur weil man selber "heile Welt" erlebt hat, muss es noch lange nicht heißen, dass andere verschont geblieben sind.

Mein Gesamteindruck war sehr positiv - besonders gut gefallen haben mir Germains total simplen und vergleichenden Gedankengänge, die ich einerseits gut von mir kenne, aber andererseits auch für mich ein ganz neues Licht auf Selbstverständlichkeiten geworfen haben ("Wenn man unkultiviert ist, heißt das nicht, dass man nicht kultivierbar ist. Man muss nur an einen guten Gärtner geraten. Wenn es ein schlechter ist, der keinen grünen Daumen hat, verdirbt er einen" - Germain erinnert sich an einen unfähigen Lehrer).
Und natürlich kommt die Humorkomponente dazu, denn Germain kann auch gut über sich und seine Fettnäpfchen lachen.


Der Roman "Das Labyrinth der Wörter" ist voller Leichtigkeit, Humor und Feinsinn. Meine Erwartungen an das Buch wurden in keinster Weise enttäuscht, sondern eher übertroffen. Wieder so ein Buch, aus welchem man am liebsten hunderte Zitate konservieren möchten.

Wer auf reine Spannung und Action hofft, wird wohl eher enttäuscht werden. Trotzdem spielen sich in Germains Leben grausige Dinge ab, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Und auch wenn das Cover einen Frauenroman vorgaukelt: dieses Buch ist meiner Meinung nach auch für sprachaffine und buchliebende Männer geeignet.

Mittwoch, 22. Januar 2014

séparée / Wie schreibt man Rezensionen?

In letzter Zeit habe ich mir wieder Gedanken über meine Rezensionen gemacht und darüber, welche Erwartungen ich eigentlich habe. Schreibe ich Rezensionen aus Spaß an der Freude? Frei von der Leber weg? Um für mich selbst ein Resümee zu ziehen? Oder habe ich den Anspruch, dass meine Rezensionen einer professionellen Form- und Inhaltsprüfung standhalten könnten? Aber was ist mit meinen Lesern? Sollten sie nicht vorrangig IHNEN gefallen?


Mir ist klar, dass sich schon einige vor mir mit dieser Frage auseinandergesetzt haben - aber ich möchte euch einfach an meiner Entwicklung teilhaben lassen.

Man findet so allerhand Rezensionen im Netz. Von strukturiert bis unstrukturiert, von nüchtern bis emotional, von kurz bis lang, von durchdacht bis dahergeschrieben, von fehlerlos bis grauenhaft. Wo ordne ich mich ein? Ich bin ein Mensch, der immer versucht, einen guten Kompromiss bzw. Mittelweg zu finden. Meine Rezensionen sollen Struktur haben, aber nicht hochgestochen klingen und auf jeden Fall meine absolut subjektive Meinung präsentieren. Ich will meine Thesen vernünftig begründen, ohne dabei das ganze Buch zerpflücken zu müssen, sprich, eine wissenschaftliche Arbeit daraus werden zu lassen.

Vor allem möchte ich mich in dem, was ich tue, verbessern und weiterentwickeln. Bisher war ich z.B. zu faul, den Inhalt und das Thema des Buches in eigenen Worten wiederzugeben. Da musste der Klappentext herhalten. Darauf will ich in Zukunft verzichten, denn eine Nacherzählung in eigenen Worten ist eine prima Schreibübung. Außerdem lerne ich, mich kurz zu fassen. 
Am Meinungsteil möchte ich auch unbedingt noch feilen: logischer aufbauen, Thesen ausreichend begründen.

Hier präsentiere ich euch nun eine Struktur die mir liegt und an der ich mich in Zukunft entlanghangeln möchte:

                                          - Haupthandlung
                                          - Hauptthema
                                          - Vorstellung der Protagonisten
  
                                      - Thesen und Begründungen zu:
                                           * Inhalt
                                           * Stil und Stilmittel
                                           * Sprache
                                           * Schlüssigkeit / Verständlichkeit
                                           * Gesamteindruck

Natürlich ist dieser Aufbau nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich habe mir einfach die Punkte herausgepickt, die mir vernünftig erscheinen und hoffe, dass ich damit klar komme und der Spaß am Rezensionen schreiben bleibt. Aber ich kann es nicht leugnen: Ich BRAUCHE Struktur, eine Form, in die ich meine Gedanken stecken kann, ohne dabei den Faden zu verlieren.

Wie geht IHR eure Rezensionen konkret an? Habt ihr besondere Vorlieben, Strukturen, Vorgehensweisen? Was wollt ihr mit euren Rezensionen erreichen?

Dienstag, 21. Januar 2014

Rezension / Das größere Wunder (Thomas Glavinic)

"Das größere Wunder" habe ich auf einer Buchvorstellung in unserem Buchcafé kennengelernt. Es war eines von 10 Büchern, aber mir war schnell klar: DAS muss mit.

Klappentext:

"Er dachte an all die Momente, in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er allein war und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen, auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben: der Liebe."

Jonas wächst bei seinem besten Freund Werner auf, dessen Familie in allerlei dubiose Machenschaften verwickelt ist. Später fängt er an, die Welt zu durchwandern, rastlos fährt er von einer Stadt in die nächste, kauft eine heruntergekommene Wohnung in Rom, lässt sich ein fünfstöckiges Baumhaus bauen und eine ganze Insel einrichten. Bis er eines Tages Marie trifft.

Meine Meinung:

Ich glaube es handelt sich wieder um eines dieser Bücher, denen ich mit meiner Rezension kaum gerecht werden kann. Es fällt mir schwer, die Handlung bzw. die Grundaussage treffend wiederzugeben, da sich vieles irgendwo in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat. Sprich: man muss das Buch einfach selbst gelesen haben. Trotzdem will ich es versuchen.

Es ist die Geschichte von Jonas - einem hochintelligenten, feinfühligen Jungen / Mann mit einer außergewöhnlichen Kindheit und Jugend. In Rückblenden erfahren wir, wie es dazu kommt, dass er mit seinem geistig behinderten Zwillingsbruder bei seinem Freund Werner unterkommt und großgezogen wird - und zwar nicht von dessen Eltern, sondern von seinem sonderbaren Großvater Picco. Der wohlhabende Mann glaubt nicht an höhere Mächte, in jeder Hinsicht, und vertritt seine ganz eigene Moral. Diese fließt natürlich auch in seine Erziehung: Die Kinder dürfen sich ausprobieren, ohne gewöhnliche Grenzen gesetzt zu bekommen, werden von Privatlehrern unterrichten und sollen insbesondere lernen was es heißt, die Angst vor Menschen und dem Leben zu verlieren. Picco hält Selbstjustiz für ein völlig probates Mittel, um im Leben Frieden zu finden. Das muss man als Leser wohl nicht gutheißen; meiner Meinung nach wird sein Charakter hier etwas überspitzt dargestellt. Auch Jonas ringt in diesem Punkt mit sich selbst, da er auf "Leben erhalten" gepolt ist. Trotz der etwas ungewöhnlichen Umstände erlebt Jonas eine behütete Kindheit, die ihn glücklich macht.

Als Jonas dann aber nahezu alles verliert, was ihm lieb und teuer ist, bereist er die Welt, testet seine Grenzen aus, sucht nach sich selbst und dem Sinn in Raum und Zeit. Diese Freiheit ist ihm scheinbar nur deshalb gegeben, weil er über unendlich viel Geld verfügt. Interessant ist aber, dass für Jonas das Vermögen nur Nebensache ist - er steigt nicht nur in Luxusunterkünften ab, sondern sucht auch die Armut und das Elend, um darin etwas zu spüren. Er tut insbesondere nichts, um aufzufallen und sich selbst ins Rampenlicht zu stellen, sondern folgt einfach nur seinem inneren Instinkt. Es geht also nicht nur um eine Freiheit, die man sich mit Geld erkaufen kann, sondern um die Freiheit, seinen Weg zu gehen, ohne sich von Zweifeln und Angst beeindrucken zu lassen. Auf seiner Suche lernt er Marie kennen, die ihn "fühlt" und liebt, wie er ist. Ab diesem Moment scheint es, als habe seine Rastlosigkeit ein Ende.

Im zweiten Erzählstrang, der die Gegenwart behandelt, besteigen wir mit Jonas (der sich aus nicht bekannten Gründen von Marie getrennt hat) den Mount Everest. Wo am Anfang die Handlung noch ein wenig vor sich hinplätschert, wird es zum Schluss hin äußerst spannend: man fiebert mit, läuft mit, philosophiert mit, friert mit, kämpft mit. Es bleibt die Frage: wird er nach dieser, für ihn notwendigen, Grenzerfahrung wieder zu seiner Liebe Marie zurückfinden?

Für mich war die eingeflochtene Liebesgeschichte eigentlich nur zweitrangig. Jonas hat vielleicht die Antwort in der Liebe gefunden, aber meiner Meinung nach steckt in uns allen eine Gottessehnsucht, die in die Ewigkeit führt und nicht mit dem Leben endet.

Das Ende habe ich sehr genossen, bzw. den letzten Satz, der eine gewisse Botschaft auf den Punkt bringt. 

Glavinics Schreibstil ist schlichtweg fesselnd. Er spielt mit sprachlichen Mitteln, wie z.B. Wortwiederholungen, unendlich langen Schachtelsätzen, einzeln gestreuten Worten. Man findet eigene Gedankengänge wieder, die sich um das Leben und den Tod drehen - abgedruckt direkt vor Augen.

Fazit: 

Es ist eigentlich der blanke Hohn, dass ich dieses Buch kurzfristig aus der Hand gelegt habe, um ein anderes zu lesen. Das, was ich vielleicht im ersten Viertel an Spannung vermisst habe, kam im Nachhinein als geballte Ladung auf mich herab. Wer keine Angst davor hat, sich elementaren Fragen rund um das Leben, den Tod und die Liebe zu stellen, sollte unbedingt Jonas kennenlernen und ein Stück mit ihm durch die Welt reisen.

Montag, 20. Januar 2014

Rezension / Eine Handvoll Worte von Jojo Moyes

Für die Leserunde bei Lottas Bücher habe ich mir "Eine Handvoll Worte" von Jojo Moyes besorgt - ein Buch, dass mich sehr neugierig gemacht hat. Mich interessierte: Kann man es in irgendeiner Weise mit "Ein ganzes halbes Jahr" vergleichen oder geht die Autorin da einen ganz anderen Weg?

Klappentext: 

Du sollst wissen, dass du mein Herz in deinen Händen hältst.

1960: Jennifer Stirling müsste eigentlich glücklich sein: Sie führt ein sorgloses Leben an der Seite ihres wohlhabenden Mannes. Doch ihr Herz gehört einem anderen – und er bittet sie, alles für ihn aufzugeben.

2003. Ellie Haworth hat ihren Traumjob gefunden: Sie ist Journalistin bei einer der führenden Zeitungen Londons. Eigentlich müsste sie glücklich sein. Doch der Mann, den sie liebt, gehört einer anderen. Eines Tages fällt Ellie im Archiv ein Jahrzehnte alter Brief in die Hände: Der unbekannte Absender bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm nach New York zu gehen. Als Ellie diese Zeilen liest, ist sie erschüttert. Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Sie stellt Nachforschungen an und stößt auf Jennifer: eine Frau, die alles verloren hat. Alles, außer einer Handvoll kostbarer Worte.

Wer die Liebe nicht kennt, kennt nichts. Wer sie hat, hat alles.

Meine Meinung:

Während des Prologs wuchs bei mir die Skepsis...eine junge Frau, ein verheirateter Mann, eine Affäre. Des Weiteren erfahren wir kaum etwas über diese Protagonisten. Meine größte Sorge war also, dass ich nun einen langweiligen, flachen Frauenroman lesen muss.

Doch ab dem 1. Kapitel ging es bergauf. Wir lesen von Protagonistin Jennifer in den 60er Jahren, die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verliert und sich schließlich auf die Suche nach sich selbst macht. Am interessantesten ist die Frage, wie sie tatsächlich zu ihrem Ehemann steht und wie es um ihre Gefühle bestellt ist. Das hat mich alles sehr gefesselt.

Die Vergangenheit spielt in zwei Zeitebenen: die Zeit VOR dem Unfall und die Zeit DANACH. Moyes verzichtet auf Datumsangaben, welche in meinen Augen auch nicht notwendig sind. Hier habe ich das Vertrauen der Autorin in den Leser genossen. Ein Vertrauen, das gute Bücher hervorbringt. Die Zeitsprünge und ständig wechselnden Schauplätze haben mich begeistert. Als weiteres Stilmittel nutzt die Autorin auch den Perspektivenwechseln: Eine Szene wird sogar zweimal beschrieben, jeweils aus zwei Sichten - eine sehr gelungene Stelle.

Es war interessant zu verfolgen, wie sich nun die Geschichten der beiden Protagonistinnen in Vergangenheit und Gegenwart ineinander verflechten. Fragen werden nur häppchenweise beantwortet, die Spannung steigert sich ins Unermessliche. 

Interessant ist die Sicht auf zwei völlig unterschiedliche Gesellschaften in Bezug auf die Themen Ehe / Ehebruch / Frauenrechte. Das bringt sehr viel Abwechslung in das Buch, denn der Unterschied kommt auch in den Dialogen zum Ausdruck.

Die eingestreuten Liebesbriefe eines Verehrers - die Handvoll Worte, um die es eigentlich geht - konnte ich wirklich genießen, auch wenn sie manch einer hochgestochen und kitschig finden würde. Es ist eine große Kunst, Gefühle in Worte auszudrücken.

Die Charaktere waren vielseitig, aber leider wurde ich nicht mit jedem Protagonisten warm. Gerade Ellie hat mir deutlich weniger gut gefallen als Jennifer, da sie für mich einem totalen Klischee entspricht: Karrierefrau, alleinstehende Geliebte, Gefühlsverdrängerin. Fehlte nur noch die Katze zu ihrem Glück (wie auch Jojo Moyes feststellte) ;-) Durch den Charakter Rory, den Ellie im Laufe der Geschichte kennenlernt, kommt aber eine ordentliche Portion Witz hinein.

Die Geschichte rund um Jennifer hat mich faszinierend - vor allem zu sehen, auf welche Art und Weise die Frauen in den 60ern in ihren Konventionen gefangen waren. Man weiß davon - es aber nochmal verpackt in einer Geschichte vorgesetzt zu bekommen, macht das Ganze lebendig. Moyes sagt es selbst in einem angehängten Interview: während der 60er passierte sehr viel in Richtung Toleranz und Selbstbestimmung, Jennifers Geschichte spielt in einer Übergangszeit. Selbstbestimmte Frauen wurden kritisch beäugt, natürlich auch häufig von anderen Frauen. Zweckehen wurden geschlossen, um den Stand und Schein zu wahren, wobei die wahre Liebe woanders wartete. Die Zerrissenheit dieser Frauen kommt im Buch sehr stark zum Ausdruck.

Einige Punkte haben mich allerdings geärgert: vor allem die Tatsache, dass das Buch voller zwischenmenschlicher Missverständnisse ist. Können Beziehungen unter einem NOCH schlechteren Stern stehen? Das war mir fast zu viel an Dramatik. Des Weiteren war ich ein wenig enttäuscht vom Schluss, bei dem sich (fast) alles in Wohlgefallen auflöst. Das eine oder andere bleibt zwar nebulös oder unbeantwortet, aber ingesamt haben wir, nach allen krassen Irrungen und Wirrungen, ein richtiges Happy End. Da hat mir der Schluss von "Ein ganzes halbes Jahr" deutlich besser gefallen.

Fazit:

Wir haben es auf jeden Fall mit einer Autorin zu tun, die ihr Handwerk versteht. Ich habe das Buch, trotz einiger Schwächen, sehr gerne UND schnell gelesen, weil es schlichtweg spannend war. Im Vergleich zu "Ein ganzes halbes Jahr" ist der vorliegende Roman aber deutlich stärker in der Kitsch-Frauenromansparte einzuordnen. Kitsch: ja. Zuviel Kitsch? Nein.

Montag, 6. Januar 2014

Rezension / City of Bones (Cassandra Clare)

Ich gebe es offen zu:
Manchmal lasse ich mich gerne mit dem Mainstream treiben...und in Bezug auf die "Chroniken der Unterwelt" wäre ich gerne auf Stand, wenn "City of Ashes" (2. Teil) in die Kinos kommt ;-)
(Auch wenn die Dreharbeiten anscheinend erst mal auf Eis gelegt wurden...)

Bisher habe ich noch nicht viele Fantasy-Romane gelesen...eben die, die "man" so kennt (z.B. die Twilight-Saga).



 
Klappentext: 

Gut aussehend, düster und sexy, das ist Jace. Verwirrt, verletzlich und vollkommen ahnungslos, so fühlt sich Clary, als sie in Jaces Welt hineingezogen wird, denn Jace ist kein normaler Junge. Er ist ein Dämonenjäger. Und als Clary von dunklen Kreaturen angegriffen wird, muss Clary schleunigst ein paar Antworten finden sonst wird die Geschichte ein tödliches Ende nehmen!

Meine Meinung:
(Achtung, könnte Spoiler enthalten!)

Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und bin aufgrund des flüssigen Schreibstils zügig durchgekommen. Gestolpert bin ich nur über einige Dialoge, die irgendwie deplaziert bzw. nicht der Situation angepasst wirkten. Trotzdem habe ich versucht, mich weiter auf die Charaktere einzulassen und ihre Worte und Taten in Einklang zu bringen.

Die ein oder andere Charaktereigenschaft hat mich auf Dauer genervt, z.B. bei Clary, die sich plötzlich überall einmischt (und dabei noch Teenager-Allüren vom Feinsten an den Tag legt) seit sie weiß, dass sie "dazugehört". Das erinnert mich irgendwie an motivierte Berufsanfänger, die mit einem Einser-Abschluss in eine Firma poltern und den Erfahrenen nur auf den Sack gehen. Trotz allem wurden insgesamt glaubhafte Charaktere gezeichnet - mit ihren positiven und negativen Seiten.

Inhaltlich konnte mich das Buch zunächst nicht wirklich vom Hocker reißen. Die Story war mir anfangs zu eindimensional, ich kam mir fast vor wie in einem alten Computerspiel: die Helden spielen sich von einem Level ins nächste, rüsten sich nach und nach mit Waffen und kommen dann zum Schluss beim "Endgegner" an. Zum Glück gab es, gerade im letzten Viertel des Buches, doch noch die ein oder andere Überraschung, so dass ich meine Meinung revidieren musste.

Ich habe ja, wie bereits erwähnt, noch nicht so viel Fantasy gelesen - was vielleicht der Grund ist, warum ich in diesem Buch eine Prise Twilight und einen Schuss Harry Potter entdeckt habe.

Was mich an Twilight erinnert hat:
- Die Dreiecksbeziehung zwischen der Protagonistin, dem Schwarm und dem besten Freund
- Das unscheinbare, hässliche Entlein (Clary/ Bella), das plötzlich sein Potential erkennt und doch nicht so hässlich ist (zumindest in den Verfilmungen).
- Die Veränderung in Jace Augen, wenn er depremiert ist (von honigfarben auf schwarz)

Es war also noch nicht mal unbedingt das Vorhandensein von Vampiren und Werwölfen, das den Ausschlag für meinen spontanen Vergleich gegeben hat. In diesem Genre existieren nun mal Vampire und Werwölfe - und die verhalten sich innerhalb dieses Genres ähnlich.

Was mich an Harry Potter erinnert hat:
- Hodge war für mich zu Beginn des Buches eine Art Dumbledore...ein älterer, besonnener Mann, der die Jugend lehrt, auf Gefahren und Feinde hinweist und eine Art Bindeglied dastellt (zum Rat / zum Zaubereiministerium).
- Valentin ist irgendwie unser Voldemort in City of Bones...alle denken, er sei tot bzw. außerstande, sich aus dem Staub zu erheben und plötzlich hört man die ersten schockierten Stimmen: "Er ist zurück!"

Das sind nur Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind..."City of Bones" hält trotz allem schöne Überraschungen bereit und ist natürlich ein eigenständiges Werk.

Das Ende ist natürlich fies offen und ich bin sehr an der Fortsetzung interessiert!

Fazit: 

Auch für Nicht-Fantasy-Erprobte ist "City of Bones" das perfekte Buch zum Abtauchen, Träumen und Mitfiebern. Wer über manch' holprigen Dialog hinwegsehen kann, sollte sich unbedingt mal in der Welt der Schattenjäger umschauen...

Sonntag, 5. Januar 2014

Tagging / Mehrwert oder Plage?

Nachdem mein Blog innerhalb kürzester Zeit 3 Mal getaggt wurde (weil er noch so schön frisch ist), habe ich mir diese Frage gestellt.

Die Arbeit und Zeit, die ich ins Bloggen investiere, soll zielführend sein - und es geht mir nicht vorrangig um positive Resonanz in Form von Kommentaren und Lesern (auch wenn ein kleiner Egoist in mir steckt, so wie in jedem anderen Blogger auch ;-) )

Nein, mein Blog soll meine Gedanken und Gefühle auf qualitative Weise nach außen tragen. Da habe ich einen gewissen Anspruch an mich selbst. Und leider passt nach näherem Hinsehen einfach nicht jede Tagging-Aktion rein. Natürlich müssen junge Blogs irgendwie auf sich aufmerksam machen. Aber ganz ehrlich: wer liest sich denn die ausgefüllten Fragebogen wirklich bis ins Detail durch? Außerdem wiederholen sich die Fragen immer und immer wieder...selten heben sich die Tags wirklich voneinander ab.

Ich habe mir ernsthaft überlegt, dieses Verbotsschild auf meinem Blog anzubringen...

  ...bringe es aber nicht über's Herz :-)

Also, was ich mit meinem Post eigentlich sagen wollte:

Taggt mich in Zukunft bitte munter weiter (am besten über buchfaible@gmail.com) und ich entscheide frei, ob ich mitmache oder nicht. Also nicht wundern, wenn nichts kommt ;-)

Und ich bedanke mich natürlich trotzdem bei Judith, Janine und Lea, die an mich gedacht haben. Es ging in dieser speziellen Aktionen darum, Blogs mit unter 200 Lesern bekannter zu machen.

So, das war mein Wort zum Sonntag...

Und mich interessiert natürlich: was denkt ihr darüber??