Dienstag, 28. Januar 2014

Rezension / Die verborgene Sprache der Blumen (Vanessa Diffenbaugh)













Bei einer Buchvorstellung (die schon vor einer ganzen Weile stattfand *räusper*) wurde mir dieses Buch empfohlen. Da ich mich noch nicht näher mit der Sprache der Blumen auseinandergesetzt habe und bisher eigentlich nur die Bedeutung der roten Rose kannte, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Auch die Geschichte, die sich in diesem Roman um das Thema rankt, klang vielversprechend.


Victorias ist ein Waisenkind. Bis zu ihrem 9. Lebensjahr wird sie von ihrer Betreuerin Meredith von einer Pflegefamilie zur nächsten geschickt. Diese sieht das eher als sportliche Herausforderung, denn ihr Mitgefühl für Viktoria hält sich in Grenzen.
Doch keine der Pflegefamilien hält es lange mit der Waise aus. Viktoria verschließt sie sich mehr und macht ihrer Wut Platz. Das Leben bei Pflegemutter Elizabeth, ihrer letzten Chance, steht unter keinem guten Stern. Doch Elizabeth ist anders als die anderen: sie versteht die Wut, die Victoria in sich trägt. Mit viel Nachsicht und Gefühl erarbeitet sie sich ihr Vertrauen. Nebenbei bringt sie ihr die Sprache der Blumen auf ihrem Weingut bei, für welche Victoria große Faszination empfindet.

In einem zweiten Erzählstrang lesen wir von Victoria als 18-jährige, die nach dem endgültigen Ausschluss aus dem betreuten Wohnheim obdachlos wird. Sie übernachtet übergangsweise in einem Park und pflanzt dort Blumen an, die ihr Trost schenken. Eines Tages bekommt sie unverhofft Arbeit in einem Blumenladen, denn sie kann die Inhaberin Renata von ihrem Können überzeugen. Während eines Besuchs auf dem Blumenmarkt lernt sie den Blumenhändler Grant kennen, der ganz offensichtlich auch ihre "Sprache" spricht. Doch Victoria hat große Mühe damit, die aufkeimenden Gefühle einzuordnen und anzunehmen.

Weiter erfahren wir, warum Victoria nicht bei Elizabeth bleiben konnte, was Grant in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielt, wie sich ihre Beziehung entwickelt und welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen.

 

"Möglicherweise konnten die Bindungslosen, die Zurückgewiesenen und die Ungeliebten ebenso wachsen und großzügig Liebe verschenken wie jeder andere auch."


Was den Inhalt des Buches betrifft, bin ich zwiegespalten: einerseits ist das Thema "Sprache der Blumen" ziemlich spannend. Man erfährt, weshalb es im viktorianischen Zeitalter in Mode war, seine Gefühle durch Blumenbotschaften auszudrücken. Die Wahl des Vornamens der Protagonistin Viktoria ist in diesem Zusammenhang wohl kein Zufall. In ihrem Leben werden die Blumen sogar zu etwas Mystischem, sie scheinen etwas in Gang zu bringen, das sie selbst nicht erwartet hätte. Andererseits ist die Geschichte um Viktoria ziemlich klischeemäßig. Ein schwer erziehbares, verstocktes Waisenkind, das plötzlich Liebe empfängt und mit dem Gefühl nichts anfangen kann.

Mit der Protagonistin Viktoria konnte ich mich einfach nicht anfreunden. Normalerweise habe ich kein Problem mit "charakterschwachen" Protagonisten. Niemand ist vollkommen und wer will schon etwas von einer vollkommenen Person lesen. Aber ihre abweisende, lieblose Haltung konnte ich schwer greifen und nachempfinden. Die Menschen, die zufällig in ihr Leben treten, bringen so viel Geduld und Nachsicht auf - und sie kann dieses Geschenk nicht annehmen und reagiert mit einer unverständlichen Abwehrhaltung. Gleichzeitig nervte mich z.B. Grants Art stellenweise sehr. Er lässt zwar nicht alles mit sich machen, bringt aber in meinen Augen dennoch übertrieben viel Verständnis für Viktoria auf.

Der Schreibstil war insgesamt sehr angenehm, allerdings hat mir stellenweise das Tempo gefehlt. Manche Szenen werden ins Endlose ausgedehnt, viele Aspekte werden wiederholt und nochmals hervorgehoben (obwohl es in meinen Augen nicht notwendig gewesen wäre). Es wird z.B. immer wieder beschrieben, wie Viktoria isst, schläft, über sich denkt etc...ihre Marotten eben.

Zur Schlüssigkeit: Stellenweise war der Plot in meinen Augen unrealistisch. Viktoria jahrelang keine Schule besucht, wird plötzlich obdachlos und schlägt sich trotzdem recht souverän durch. Vor allem ihr beruflicher Werdegang ist für mich unglaubwürdig. Natürlich erhält sie zunächst Unterstützung von Renata, ihrer Chefin, die sie aus irgendeinem Grund ins Herz schließt. Aber alles, was auf den Job im Blumenladen folgt, wirkt "zurechtgestutzt".

Mein Gesamteindruck war also durchwachsen. Meine Antipathie Viktoria gegenüber hat meinen Lesespaß etwas getrübt.

Insgesamt habe ich den Roman als recht langatmig und "unsympathisch" empfunden. Für Menschen, die sich stärker in die Psyche eines gebrannten Kindes einfühlen können als ich, mag das Buch genau das Richtige sein. Für mich reicht es leider nur für 3 Sterne.

Kommentare:

  1. Das Buch liegt auch noch auf meinem SuB. Aufgrund der Protagonisten-Challenge werde ich es bald mal lesen... drei Sterne sind ja jetzt nicht sooo schlecht. Mal sehen, wie sympathisch mir Viktoria sein wird ;)
    Liebste Grüße,
    Kasia

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  2. Du, es ist trotz allem ein lesenswertes Buch...vielleicht lag es auch an meiner Stimmung, dass ich Viktoria nicht ins Herz schließen konnte, wer weiß. Wünsche dir eine schöne Lesezeit ;-)

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  3. Hallo :)
    Sehr schöne Rezension, das Buch kannte ich bisher gar nicht.

    Dein Blog gefällt mir sehr gut :) Vor allem die Idee mit dem "Friedhof der Bücher" finde ich super! (Erinnert bisschen an den "Friedhof der Kucheltiere" ;) ).

    Liebe Grüße,
    Carly ❤

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  4. Schöne Rezi :)

    Klingt nach einem Buch das ich nicht mag xD Ein Buch das wirklich die unnötigsten Stellen hervorhebt kenne ich (hab ich erst vor kurzem ne Rezi verfasst) ... schade ist immer wieder doch, das man mit der Idee eig. was tolles hätte schreiben können aber naja :) Ist ja immerhin Ansichtssache wie man ein Buch findet

    Liebe Grüße

    Alisia

    alisiaswonderworldofbooks.blogspot.de

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