Montag, 20. Januar 2014

Rezension / Eine Handvoll Worte von Jojo Moyes

Für die Leserunde bei Lottas Bücher habe ich mir "Eine Handvoll Worte" von Jojo Moyes besorgt - ein Buch, dass mich sehr neugierig gemacht hat. Mich interessierte: Kann man es in irgendeiner Weise mit "Ein ganzes halbes Jahr" vergleichen oder geht die Autorin da einen ganz anderen Weg?

Klappentext: 

Du sollst wissen, dass du mein Herz in deinen Händen hältst.

1960: Jennifer Stirling müsste eigentlich glücklich sein: Sie führt ein sorgloses Leben an der Seite ihres wohlhabenden Mannes. Doch ihr Herz gehört einem anderen – und er bittet sie, alles für ihn aufzugeben.

2003. Ellie Haworth hat ihren Traumjob gefunden: Sie ist Journalistin bei einer der führenden Zeitungen Londons. Eigentlich müsste sie glücklich sein. Doch der Mann, den sie liebt, gehört einer anderen. Eines Tages fällt Ellie im Archiv ein Jahrzehnte alter Brief in die Hände: Der unbekannte Absender bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm nach New York zu gehen. Als Ellie diese Zeilen liest, ist sie erschüttert. Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Sie stellt Nachforschungen an und stößt auf Jennifer: eine Frau, die alles verloren hat. Alles, außer einer Handvoll kostbarer Worte.

Wer die Liebe nicht kennt, kennt nichts. Wer sie hat, hat alles.

Meine Meinung:

Während des Prologs wuchs bei mir die Skepsis...eine junge Frau, ein verheirateter Mann, eine Affäre. Des Weiteren erfahren wir kaum etwas über diese Protagonisten. Meine größte Sorge war also, dass ich nun einen langweiligen, flachen Frauenroman lesen muss.

Doch ab dem 1. Kapitel ging es bergauf. Wir lesen von Protagonistin Jennifer in den 60er Jahren, die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verliert und sich schließlich auf die Suche nach sich selbst macht. Am interessantesten ist die Frage, wie sie tatsächlich zu ihrem Ehemann steht und wie es um ihre Gefühle bestellt ist. Das hat mich alles sehr gefesselt.

Die Vergangenheit spielt in zwei Zeitebenen: die Zeit VOR dem Unfall und die Zeit DANACH. Moyes verzichtet auf Datumsangaben, welche in meinen Augen auch nicht notwendig sind. Hier habe ich das Vertrauen der Autorin in den Leser genossen. Ein Vertrauen, das gute Bücher hervorbringt. Die Zeitsprünge und ständig wechselnden Schauplätze haben mich begeistert. Als weiteres Stilmittel nutzt die Autorin auch den Perspektivenwechseln: Eine Szene wird sogar zweimal beschrieben, jeweils aus zwei Sichten - eine sehr gelungene Stelle.

Es war interessant zu verfolgen, wie sich nun die Geschichten der beiden Protagonistinnen in Vergangenheit und Gegenwart ineinander verflechten. Fragen werden nur häppchenweise beantwortet, die Spannung steigert sich ins Unermessliche. 

Interessant ist die Sicht auf zwei völlig unterschiedliche Gesellschaften in Bezug auf die Themen Ehe / Ehebruch / Frauenrechte. Das bringt sehr viel Abwechslung in das Buch, denn der Unterschied kommt auch in den Dialogen zum Ausdruck.

Die eingestreuten Liebesbriefe eines Verehrers - die Handvoll Worte, um die es eigentlich geht - konnte ich wirklich genießen, auch wenn sie manch einer hochgestochen und kitschig finden würde. Es ist eine große Kunst, Gefühle in Worte auszudrücken.

Die Charaktere waren vielseitig, aber leider wurde ich nicht mit jedem Protagonisten warm. Gerade Ellie hat mir deutlich weniger gut gefallen als Jennifer, da sie für mich einem totalen Klischee entspricht: Karrierefrau, alleinstehende Geliebte, Gefühlsverdrängerin. Fehlte nur noch die Katze zu ihrem Glück (wie auch Jojo Moyes feststellte) ;-) Durch den Charakter Rory, den Ellie im Laufe der Geschichte kennenlernt, kommt aber eine ordentliche Portion Witz hinein.

Die Geschichte rund um Jennifer hat mich faszinierend - vor allem zu sehen, auf welche Art und Weise die Frauen in den 60ern in ihren Konventionen gefangen waren. Man weiß davon - es aber nochmal verpackt in einer Geschichte vorgesetzt zu bekommen, macht das Ganze lebendig. Moyes sagt es selbst in einem angehängten Interview: während der 60er passierte sehr viel in Richtung Toleranz und Selbstbestimmung, Jennifers Geschichte spielt in einer Übergangszeit. Selbstbestimmte Frauen wurden kritisch beäugt, natürlich auch häufig von anderen Frauen. Zweckehen wurden geschlossen, um den Stand und Schein zu wahren, wobei die wahre Liebe woanders wartete. Die Zerrissenheit dieser Frauen kommt im Buch sehr stark zum Ausdruck.

Einige Punkte haben mich allerdings geärgert: vor allem die Tatsache, dass das Buch voller zwischenmenschlicher Missverständnisse ist. Können Beziehungen unter einem NOCH schlechteren Stern stehen? Das war mir fast zu viel an Dramatik. Des Weiteren war ich ein wenig enttäuscht vom Schluss, bei dem sich (fast) alles in Wohlgefallen auflöst. Das eine oder andere bleibt zwar nebulös oder unbeantwortet, aber ingesamt haben wir, nach allen krassen Irrungen und Wirrungen, ein richtiges Happy End. Da hat mir der Schluss von "Ein ganzes halbes Jahr" deutlich besser gefallen.

Fazit:

Wir haben es auf jeden Fall mit einer Autorin zu tun, die ihr Handwerk versteht. Ich habe das Buch, trotz einiger Schwächen, sehr gerne UND schnell gelesen, weil es schlichtweg spannend war. Im Vergleich zu "Ein ganzes halbes Jahr" ist der vorliegende Roman aber deutlich stärker in der Kitsch-Frauenromansparte einzuordnen. Kitsch: ja. Zuviel Kitsch? Nein.

Kommentare:

  1. Hallo meine Liebe!
    Eine wunderbare Rezension hast du geschrieben und ich wollte mich noch einmal recht herzlichen dafür bedanken, dass du bei meiner Leserunde teilgenommen hast! Ich bin wirklich sehr froh, dass das alles so wunderbar geklappt hat und ich hoffe ihr hattet alle ganz viel Spaß dabei ;)

    Liebst, Lotta

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  2. Eine schöne Rezension, die meine doch sehr ähnliche Meinung gut zum Ausdruck bringt. Auch wenn ich es nicht unbedingt Richtung Kitschroman schieben würde^^

    Liebe Grüße, Katja :)

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