Donnerstag, 13. Februar 2014

Rezension / Die Verratenen (Ursula Poznanski)











 


Nachdem ich die vielen positiven Stimmen zu "Die Verschworenen" (Teil II) vernommen habe, bin ich doch neugierig geworden auf diese Reihe, die sich im Bereich "Jugendliteratur" einordnen lässt. Auch von Ursula Poznanski habe ich noch nichts gelesen und wollte mir ein Bild machen.

 

Wir schreiben die Zukunft nach der langen Nacht: die Erde ist aufgrund klimatischer Bedingungen kaum noch bewohn- und bewirtschaftbar und eine Gruppe "elitärer" Menschen besiedelt sogenannte Sphären, die sich abgeschottet unter Glaskuppeln befinden. Einerseits wachsen die jungen Menschen dort offensichtlich behütet, aber dafür sehr fremdbestimmt auf. Sie wissen von den sogenannten "Prims", den Primitiven, die außerhalb der Sphären ums Überleben kämpfen. Das oberste Ziel der Sphären scheint aber ein friedliches Zusammenleben zu sein.

Ria ist eine Studentin der Akademie ihrer Sphäre und tut ihr Bestes, um ihren 7. Rang zu halten. Jeder Student kann mit besonderen Leistungen in der Rangklasse aufsteigen und schließlich wichtige Aufgaben in der Sphären-Gemeinschaft übernehmen. Doch eines Tages wird Rias perfekt durchgetaktetes Leben durcheinandergebracht. Sie lauscht zufällig einem Gespräch, in dem von Verrätern die Rede ist. Studenten, die dem Sphärenbund schaden, bzw. sich auf die Seite der "Prims" schlagen wollen. Sie erfährt, dass sie ebenfalls unter den Vedächtigen ist, obwohl sie sich keinen Reim darauf machen kann. Fakt ist: sie sollen, möglichst bald und ohne Aufsehen zu erregen, eliminiert werden.

So kommt es, dass die 6 verdächtigen Studenten eines Tages die (angeblich) hohe Ehre bekommen, beim Präsidenten vorstellig zu werden. Doch die Fahrt in der Magnetbahn zur betreffenden Sphäre verläuft nicht nach Plan - ganz so, wie Ria es vermutet hatte...


"Wem nutzt dieser Ausbruch? Der Sache oder deiner Eitelkeit?"


Die Geschichte trifft inhaltlich absolut den Nerv der Zeit. Viele Menschen fragen sich heutzutage: wie werden wir in der Zukunft leben? Welche Gesellschaftsformen wird es geben? Was passiert mit unserem Planeten? Und hier hat Ursula Poznanski IHRER Phantasie freien Lauf gelassen: Kuppeln, die ein Überleben sichern. Viel Technik, viel Überwachung. Zwei völlig unterschiedliche Menschengruppen, die aufeinanderprallen. Ein Klima, dass das Überleben erheblich erschwert. Manche Facetten erinnern auch an andere Bücher dieses Genres (z.B. die Überwachungsarmbänder: hier Salvatoren, bei "Gelöscht" von Teri Terry die Levos...), aber sowas lässt sich wohl nicht ganz vermeiden.

Es ist interessant zu sehen, wie die Autorin davon ausgeht, dass sich manche Dinge auch in Zukunft nicht merklich ändern werden: Machtmissbrauch, Ausbeutung, Feindseligkeit und selbst erschaffene, gesellschaftliche Schichten. Ein Teil der Menschheit wird bestens ausgebildet - aber wem möchten diese jungen Leute mit ihren besonderen Fähigkeiten dienen?

Am spannendesten war für mich auch der Punkt "Vertrauen": wem kann Ria vertrauen? Auch OHNE Einsatz ihrer ausgeprägten Kommunikations- und Rhetorikkenntnissen? Ständig wird der Leser auf eine neue Fährte gelockt und Rias Gedanken überschlagen sich, ebenso wie die des Lesers. Sehr ausgeklügelt! Mich haben aber auch die Einschübe zu Rhetorik-Grundkenntnissen und Körpersprache fasziniert. Dinge, die man vielleicht mal gelernt hat, aber nicht bewusst im Alltag einsetzt. Spannendes und brauchbares Thema.

Für mich gab es in dem Buch einen Schnitt, und zwar von langweilig/ langatmig zu spannend/ anrührend, und dieser kam etwa auf Seite 137. Interessant ist, dass die jungen Leute genau an dieser Stelle die Sphäre verlassen und irgendwas in der Geschichte aufbricht: sowohl in der Handlung, als auch in der Beschreibung der Protagonisten. Plötzlich fangen sie an, Gefühle zuzulassen. Ich konnte mich auf einen Schlag besser in sie hineinversetzen. Anscheinend nur deshalb, weil sie die Beklemmung der Kuppel verlassen haben.

Der Schreibstil ist dem Zielpublikum auf alle Fälle angepasst: er ist flüssig und verständlich. Im besagten 1. Teil, der mit etwas langatmig vorkam, übernimmt Rias Gedankenwelt meiner Meinung nach zu stark die Oberhand. Irgendwann wissen wir, dass sie Angst hat, sich 1.000 Fragen zur Verschwörung stellt und ihre Kommilitonen dementsprechend stark beobachtet. Das muss man nicht seitenweise wiederholen. 

Insgesamt ist die Geschichte schlüssig, wobei bei diesem Genre natürlich auch viel Freiraum gegeben ist. Technisch geht die Autorin nicht ins Detail, was aber kein Vorwurf ist. Auch was das Leben in einer frostigen  Wildnis angeht, kann ich mir selbst nur ein grobes Bild machen. Von daher ist mir nichts negativ aufgefallen.

Nachdem es mit meinem Lesevergnügen ab dem 14. Kapitel deutlich berauf ging, ist mein Gesamteindruck sehr positiv und ich freue mich auf Teil II, der sehr viel verspricht!


Ein schöner Auftakt! Ich bin gespannt, wie unsere redegewandte Ria ihr Können in den nächsten Bänden einsetzen wird und natürlich, ob Aureljo ihre wahre Liebe bleiben wird ;-)
Leider kann ich wegen der oben genannten Kritikpunkte nur 3 Sterne vergeben - aber mit Tendenz zu 4 Sternen.

1 Kommentar:

  1. Das Buch will ich auch unbedingt bald lesen weil so viele schwärmen. Nächsten Monat erscheint die Taschenbuchausgabe und die schnapp ich mir dann :)
    Übrigends toller Blog, bin gleich Leser geworden.
    Liebe Grüße,
    Maike von Leidenschaft Lesen

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