Montag, 3. Februar 2014

Rezension / Gone Girl (Gillian Flynn)














Wer kennt dieses Cover nicht? "Gone Girl" wurde als DER Psychothriller des vergangenen Jahres angepriesen. Auch ich wollte mir ein Bild machen und dem Buch (trotz der durchwachsenen Rezensionen) eine Chance geben.


Amy und Nick scheinen zwei "normale" Journalisten zu sein, die sich auf einer Party in New York zufällig kennen und schätzen lernen. Aus Tagebucheinträgen beider erfahren wir, wie sie zusammenkommen und schließlich heiraten. Aufgrund von Arbeitslosigkeit und der Tatsache, dass Nick in seiner Heimatstadt eine totkranke Mutter pflegen möchte, ziehen die beiden, trotz Amys widerstrebender Haltung, um. Nach und nach blättert die perfekte Fassade dieser Traumehe ab - und eines morgens verschwindet Amy. Nick steht im Schussfeld der Ermittler, denn alle Indizien deuten darauf hin, dass er seiner Frau etwas angetan haben könnte.


"Der Schlaf ist wie eine Katze: er kommt nur, wenn man ihn ignoriert."


Inhaltlich birgt dieses Buch zunächst eine Menge Potenzial: es ist die Geschichte einer Ehe, die auf einer Illusion basiert. Zwei völlig unterschiedliche Menschen prallen aufeinander. Der Leser wird Zeuge davon, wie anfängliche Liebe und Leidenschaft in blanken Hass umschlägt. Dadurch, dass die Geschehnisse jeweils aus der Sicht beider erzählt wird, muss der Leser sich entscheiden, auf welche Seite er sich schlägt. Wer von den beiden hat "Recht"? Wer treibt mit wem sein Spiel? Dies hat mich anfangs sehr fasziniert, auch die vielen psychologische Ansätze, die zum Tragen kommen. Nicht nur die Partner untereinander versuchen, sich zu manipulieren: auch die Autorin manipuliert den Leser auf intelligente Art und Weise. Doch nach etwa 2/3 wusste ich in etwa, woran ich bin. Und ab diesem Moment beginnt in meinen Augen auch das inhaltliche Deasaster.

Die Protagonisten Amy und Nick sind zwei bemitleidenswerte Schauspieler auf der Suche nach Bestätigung. Ich wollte mich unbedingt auf IRGENDEINE Seite schlagen - natürlich auf die Seite des/der "Guten". Aber die richtige Seite ließ sich leider bis zum Schluss hin nicht ausmachen. 
Die Ermittlerpersonen bleiben recht schemenhaft und Nicks Anwalt Tanner ist ein klischeemäßiger Schmierbolzen. Amys Eltern scheinen wie aus einem komischen Märchen entsprungen. 

Mit dem Schreibstil kam ich ganz gut klar, auch wenn die Sprache phasenweise ein wenig derbe war. Die auftretenden Längen konnte ich gut überbrücken, bin aber trotzdem der Meinung, dass man die Geschichte auf weniger Seiten hätte unterbringen können. Hochspannung kommt leider nur selten auf, auch wenn es hin und wieder eine überraschende Wendung gibt. Etwas genervt haben mich die vielen US-amerikanischen Insiderthemen und Andeutungen auf Gepflogenheiten, die man als Europäer nicht auf Anhieb versteht.

Die Geschichte erschien bis ins Detail durchdacht und schlüssig, zumindest in den ersten 2/3 des Buches - aber das letzte Drittel war wie aus dem Kontext gerissen. Sowohl auf den Plot bezogen als auch auf das Verhalten der einzelnen Charaktere.

Mein Gesamteindruck steht und fällt meist mit dem Ende der Geschichte - und dieser Schluss hat mir die Freude restlos verdorben. Er war unbefriedigend, ja nahezu grotesk.
Es kam in mir der Verdacht auf, dass die Autorin ein Gender-Problem haben könnte und sich nicht entscheiden konnte, ob sie ihren Hass auf eine bestimmte Art von Frauen oder auf eine Art von Männern in dem Buch verarbeiten soll. 

Was verheißungsvoll und intelligent beginnt, endet in einem Haufen Pseudo-Psychokram. Es lohnt sich meiner Meinung nach nicht, sich durch die knapp 600 Seiten zu kämpfen, denn am Ende siegt weder das Gute, noch die Vernunft, noch sonstwas Sinnvolles - es siegt leider nur der Irrsinn.

Kommentare:

  1. Uhhh niederschmetternd :D
    Nein, ich finds gut das du deine ehrliche Meinung schreibst, sonst hätte so eine rezi ja auch keinen Sinn.
    Das Buch hab ich auch auf meiner Wunschliste aber es zählt jetzt nicht unbedingt zu denen die ich sofort lesen möchte. Deine Rezi war nicht die erste die etwas kritischer mit dem Buch umgeht, aber genauso viele gute Rezis hab ich dazu gelesen. Ich werd mir hoffentlich irgendwann eine eigene Meinung bilden können aber ich fand deine Rezi schon sehr aufschlussreich, danke :)

    LG ♥

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  2. Das ist gut! :-D Naja, letztendlich ist ja alles sehr subjektiv. Aber ich kann mich manchmal kaum zügeln, wenn mich ein Buch genervt hat...muss immer aufpassen, dass ich einen nicht zu scharfen Ton anschlage.

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  3. Super geschriebene Rezension! Muss jetzt wohl hoffen, dass bei meiner SuB-Leichen-Umfrage nicht gerade dieses Buch "gewinnt" und ich es lesen muss. Andererseits mag ich Bücher, bei denen die Meinungen derart weit auseinandergehen, weil man da meist überrascht wird (positiv oder negativ). Aber du stehst ja mit deiner negativen Meinung zum Buch nicht alleine da.
    Auf alle Fälle gefällt mir deine Rezension.
    Liebe Grüße, Iris

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