Dienstag, 27. Mai 2014

Rezension / Selbst ist das Kind (Kay Wills Wyma)

Da ich selbst Mutter von zwei Kindern bin und mich interessiert, was die christlichen Verlage so an Erziehungsratgebern veröffentlichen, habe ich mir dieses Buch vorgeknöpft - in der Hoffnung, ein paar Anregungen für den Alltag mit meinen Kindern zu bekommen.


Die Autorin ist Mutter von fünf Kindern im Alter von 3 - 14 Jahren und weiß, wie schwierig es ist, eine Familie zu managen und Kinder in einem guten Sinn zu erziehen. Eines Tages wird ihr bewusst, dass sie ausschließlich "Beihilfe zur Unselbständigkeit" leistet, indem sie ihren Kindern alle erdenklichen Aufgaben abnimmt - sei es aus Zeit- oder Effizienzgründen. Nach einem Schlüsselerlebnis mit ihrem Ältesten stellt sich die Autorin die Frage, ob die Kinder unter diesen Bedingungen tatsächlich zu Persönlichkeiten heranwachsen können, die irgendwann selbstbewusst und gestärkt in ein eigenständiges Leben treten können.
So startet sie ein Jahresexperiment, bei dem den Kindern nach und nach die Führung bei alltäglichen Verrichtungen überlassen wird. Dabei stößt Wyma natürlich an ihre Grenzen, da konsequentes Verhalten nun auf der Tagesordnung steht. Doch sie darf auch überrascht feststellen, dass in ihren Kindern mehr steckt, als sie geahnt hätte...


"Ein Grundsatz ist mir durch das Experiment klar geworden: Eltern müssen so früh wie möglich damit beginnen, ihre Kinder fit zu machen für den ganz normalen Lebensalltag. Wenn sie sich als jüngere Kinder gegen Anforderungen wehren, die wir in dieser Hinsicht an sie stellen, dann hat dieser Widerstand längst nicht die Intensität und die Unerbittlichkeit wie bei älteren Teenagern."


Inhaltlich ist das Buch besonders für Mütter geeignet, deren Kinder aus dem Kleinkindalter herausgewachsen sind. Aber es dient auch Müttern wie mir als "Warnung" - nämlich rechtzeitig den Absprung zu schaffen.
Die Autorin deckt mit dem Experiment alle möglichen Bereiche ab, in denen Kinder mit anpacken können: Essensplanung und Kochen, Putzen, Ordnung halten, Besorgungen machen, anderen helfen u.v.m.
Sie führt monatlich neue Regeln ein und verknüpft die Aufgaben teilweise auch mit Belohnungen (- die eine oder andere Idee muss ich mir für später merken...) Dabei bleibt sie rücksichtsvoll und lässt durchaus mit sich reden, wenn es sein muss, und geht auf jedes Kind einzeln ein. Es ist schön zu lesen, dass nicht alles so reibungslos verläuft, wie sie es sich erhofft hat. Trotzdem werden die Erlebnisse ehrlich dokumentiert und bewertet.

Viele Gedankengänge und Hinweise der Autorin waren mir nicht neu bzw. haben vielmehr meine Meinung gefestigt. Das Buch hat mir in Erinnerung gerufen, was mein Job als Mutter auch beinhaltet: und zwar den Kindern in großer Geduld eine Übungsplattform zu bieten, auf der sie sich altersentsprechend ausprobieren können.

Nach meinem Geschmack kam der Glaubensaspekt zu kurz. Hin und wieder lässt die Autorin Gedanken zu geistlichen Themen einfließen, aber es scheint, als ob sie dies gezwungenermaßen passiert wäre, um dem Buch einen christlichen Touch zu verleihen. Ansonsten unterscheidet sich das Buch kaum von einem anderen Erziehungsratgeber.

Der Schreibstil war generell etwas holprig, was meiner Meinung nach an der Übersetzung liegt.

Teilweise fiel es mir schwer, innerhalb der Kapitel den roten Faden zu finden. Es ist schön, dass die Autorin immer wieder Gedanken einfließen lässt, die vielleicht nicht direkt mit der Aufgabe zu tun haben - aber leider wiederholt sie sich dabei oft und verpackt ein grundsätzliches Statement (in meinen eigenen Worten: "Kinder müssen gefordert werden und auch mal unangenehme Aufgaben übernehmen, um zu selbständigen Persönlichkeiten heranwachsen zu können") in allen möglichen Wortvariationen. Dadurch wurde es an manchen Stellen etwas langatmig.


Letztendlich bespricht die Autorin Erziehungsmaßnahmen, die in jeder Familie selbstverständlich sein sollten. Tugenden, die in der Generation vor uns noch "normal" waren, müssen jetzt leider durch einen Erziehungsratgeber ins Gedächtnis gerufen werden. Trotz allem liefert das Buch gute Impulse und erinnert daran, dass es nicht spießig oder lieblos ist, Konsequenz zu zeigen und die Kinder auch mal an ihre Grenzen laufen zu lassen.

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