Mittwoch, 30. November 2016

Rezension / "Wenn du dein Haus verlässt, beginnt das Unglück" (Max Küng)


Über eine Lovelybooks-Verlosung bin ich an dieses (zunächst optisch und haptisch gesehen) wunderhübsche Büchlein gekommen. Schon der Klappentext hat mich neugierig gemacht: es geht um den scheinbar normal - verrückten Alltag von ein paar Menschen in einem Mehrfamilienhaus.


Schauplatz dieses Romans ist die Lienhardstraße 7 in Zürich, in der fünf Parteien wohnen. Es handelt sich um ganz unterschiedliche Zeitgenossen: Eine alleinstehende Studentin - ein junges, ungebundenes Pärchen - ein Ehepaar mit 2 Kindern - eine alleinerziehende Mutter -  ein alleinstehender, zurückgezogener Mann.
Alle ereilt das gleiche Schicksal: sie erhalten ein Kündigungsschreiben der Immobilienfirma, der das Gebäude gehört. Wie gehen die Parteien damit um? Was beschäftigt sie in der Zwischenzeit?


 „In jeder Beziehung war er großzügig gewesen. Leider auch in der Auslegung des Begriffs Treue.“


 Schon nach 75 Seiten Lektüre hatte ich das Gefühl, die bislang vorgestellten 6 Protagonisten erstaunlich gut zu kennen. Der Autor zeichnet diese Personen in rasanter Geschwindigkeit in all ihren Facetten. Man wird direkt in ihr Leben, ihren Alltag und ihre Nöte mit hineingezogen. Gut gelungen sind die jeweiligen Rückblenden, die zum Kennenlernen dienen. Sie werden schön in die Handlung der Gegenwart eingebettet. Die Gegenwart, in der nach und nach die Kündigungsschreiben an ihre Adressaten gelangen. Wunderbar ausgearbeitet!

Sehr gut gefallen hat mir auch der Prolog. Es wird ein Moment aus der Natur beschrieben, der das darwinistische „Fressen und gefressen werden“ verbildlicht. Der Sinn dieser Darwinistischen Vorstellung hat sich mir nicht von Anfang an erschlossen, aber je mehr Gedanken ich mir gemacht habe, desto passender erschien mir dieser Einstieg.

Es gibt folgendes Zitat von Darwin:

"Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, und auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist, sich zu verändern."

Und ich glaube, dass genau DIESER Gedanke seinen Platz in diesem Buch gefunden hat. Alle Protagonisten haben im Laufe der Geschichte  mit Anfeindungen zu leben. Ganz unabhängig von ihrer familiären und privaten Ausgangslage können sie individuell entscheiden, wie es weiter gehen soll. Die Frage bleibt: will/ kann ich mich verändern? Merke ich überhaupt, dass ich mich verändern MUSS?

Inhaltlich haben mir auch die vielen beschriebenen alltäglichen Situationen gefallen, dies geschah sehr detailgetreu. Im Grunde verfolgt man nur den Alltag der Protagonisten - und doch braut sich etwas Gewaltiges und Spannendes zusammen. Die Geschichte beinhaltet viel Tiefgründiges, das man allmählich zerpflücken/ interpretieren muss. Beim Lesen hatte ich manchmal das Gefühl, dass NICHTS besonderes passiert - und doch spielte sich so viel im Unterbewusstsein der Protagonisten ab. Sie durchlaufen allesamt eine Entwicklung – besonders im letzten Viertel des Buches bewegt sich etwas! Sei es durch "Schicksal" oder durch bewusste, eigene Entscheidungen.

Den Schreibstil habe ich sehr genossen, der Autor lässt Bilder vor dem inneren Auge lebendig werden und Musik in den Ohren erklingen. Die Passagen sind teilweise humorvoll, teilweise feinfühlig.


 Dieser Roman von Max Küng ist wohl als sehr „intelligent“ zu bezeichnen. Als Leser hat man fortwährend das Bedürfnis, das Beschriebene zu interpretieren und zu verstehen. Einen Stern Abzug gibt es von mir, weil mir zwischendurch der rote Faden entwischt ist und ich beim besten Willen nicht absehen konnte, worauf der Autor hinaus will. Man lechzt als Leser doch arg nach einer Prämisse. Der Schluss war "befriedigend" + "sehr gut" für den Schreibstil und die Charakterausarbeitung = 4 Sterne von mir!
 

Montag, 21. November 2016

Friedhof / Weitlings Sommerfrische (Sten Nadolny)

Fakten: 

Gelesen bis: S. 50
Gefühl beim Lesen: "Wo soll das Ganze hinführen? Eigentlich interessiert es mich nicht..."
Größte Schwäche: Ausschweifend geschrieben
Kleines Lob: Anspruchsvolle Sprache





Meine Kurzmeinung: 

Die vielversprechende Romanidee hat mich dazu bewogen, dieses Buch zu lesen. Nur leider war der Inhalt nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte. Der Protagonist unternimmt zwar eine Zeitreise in die Vergangenheit - aber dadurch, dass er weder Fühlen noch Handeln und somit nicht in das Geschehen eingreifen kann, verlor das Buch seinen Reiz für mich. Es scheint tatsächlich eher eine philosophische Abhandlung zu sein, was mich ja grundsätzlich nicht abschreckt. Aber aufgrund der Passivität des Protagonisten konnte mich das Buch einfach nicht mitreißen. Ich denke dieses Buch ist etwas für Menschen, die sich für das Segeln interessieren und/oder den Chiemsee kennen und/oder die Nachkriegszeit etwas näher miterlebt haben und mit den sehr weitschweifend beschriebenen "Insidern" etwas anfangen können.

 [Was ist der Friedhof der Bücher?]

Rezension / Mondjahre (Eva-Maria Bast)



Auf der Suche nach einem Roman, der am Bodensee bzw. in Überlingen, meiner Heimatstadt, spielt, bin ich auf Eva-Maria Basts „Mondjahre“ gestoßen. Es handelt es sich um einen geschichtlichen Roman, von dem ich mir auch erhofft habe, er könnte mein Allgemeinwissen zum Thema „1. Weltkrieg“ aufbessern.

Die Tatsache, dass es sich um den 1. Band einer Trilogie handelt, hat meine Neugierde noch mehr geweckt.


Im Mittelpunkt der Familiensaga, die sich in diesem Band über ca. 4 Jahre erstreckt, stehen drei junge und starke Frauen. Diese müssen mit den plötzlichen Veränderungen, die der Krieg mit sich bringt, zurechtkommen und leben lernen. Doch sie haben nicht nur mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen - auch mit dem Schicksal anderer Familienmitglieder und Freunde sind sie untrennbar verwoben. 

Inhaltlich gesehen hat das Buch grundsätzlich einiges zu bieten: viele Charaktere, viele Schauplätze, einige grundlegende Fakten über den Verlauf des ersten Weltkrieges. Die Grundidee gefällt mir sehr gut: es geht hauptsächlich um zwei „Parteien“ der Familie Seiler bzw. der Familie der verheirateten Tochter. Sie wohnen in Konstanz und Überlingen – zwei Städte am Bodensee, in denen sich das alltägliche Leben während des Krieges offenbar leicht unterscheidet. Die meisten Männer müssen in den Krieg ziehen, während die Frauen zurückbleiben oder sich zum Lazarettdienst an der Front melden. Sophie, eine Tochter aus dem Hause Seiler, verlobt sich vor Ausbruch des Krieges zu allem Überfluss mit einem Franzosen -  was die Handlung natürlich noch explosiver macht. Der Inhalt birgt also spannendes Konfliktpotenzial. Aufgelockert wird der Plot dann durch Szenen aus dem Jahr 2013 : die junge Zita, die rein zufällig an Sophies Tagebuch kommt und auch nicht zur Familie Seiler gehört, versucht einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. 

So weit, so gut. Leider hat es in meinen Augen dann an der Umsetzung des Ganzen gehapert. Aufgrund der Fülle an Protagonisten hätte ich mir eine differenziertere Ausarbeitung der Charaktere gewünscht, und nicht nur die Fraktionen „hübsch, mutig, jung“, „mutig, sanft, alt“ und „patriotisch, aber wehleidig“. Um es mal übertrieben auszudrücken. Dadurch, dass sich unsere drei Haupt-Protagonistinnen in der Art sehr ähneln, fiel es mir manchmal tatsächlich schwer, sie auseinanderzuhalten. Gerade bei Sophie und Johanna (deren Nichte), ist es mir so ergangen. Dadurch, dass sie genau gleich ticken und fast gleich alt sind, vergisst man beim Lesen gerne die dazwischenliegende Generationenebene. Ein Familienstammbaum, abgedruckt am Anfang oder am Ende des Buches, wäre eine gute Unterstützung gewesen. Gerade als Zita im Jahr 2013 versucht, das „Familiengeheimnis“ zu lüften und dann Großmutter, Urgroßmutter und Großtante ins Spiel kommen, wurde mein Lesefluss erheblich gestört. 

Was die einzelnen Szenen angeht: einige sind spannend und glaubhaft, andere wirken eher inszeniert (z.B. die Geschehnisse rund um die geplante Hochzeit von Luise und Siegfried in Memel. Es war sehr dumm und naiv von den beiden Frauen, vor Ort zu bleiben. Es passt einfach nicht zu ihrem Wesen.)

Der Schreibstil / die Sprache ist für die Gesamtlektüre sehr angenehm. Der Text ist flüssig und verständlich geschrieben. Allerdings empfand ich einige Passagen sprachlich als zu blumig ausgeschmückt oder gekünstelt. Besonders gestört hat mich das bei einigen Dialogen, die dadurch aufgesetzt / gestellt wirkten. Stellenweise konnte ich mich nur schwer auf die Auseinandersetzungen der Protagonisten einlassen bzw. mitfiebern. Manche Reaktionen waren für mich einfach zu übertrieben oder zu überschwänglich - der Situation nicht angepasst. Oder die Gefühlsschwankungen waren zu abrupt. Dieses Gefühl entstand bei mir vielleicht auch deshalb, weil die Charaktere nicht ausreichend "ausgefeilt" wurden.
Extrem gestört haben mich die zwanghaften Cliffhanger am Ende vieler Kapitel, die teilweise auch schon den weiteren Verlauf der Geschichte vorweg nehmen. Es hat fast etwas Bettelndes („Bitte, du muss unbedingt weiterlesen!“) Gegen Cliffhanger ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden – aber bitte nicht so offensichtlich und so oft. 

Der Plot ist schlüssig, auch wenn manche Wendungen konstruiert wirken oder Protagonisten sich seltsam verhalten (z.B. Irina, die 2-3 Mal nach Deutschland und zurück nach Russland reist, um Menschen nach Hause zu begleiten. Das empfand ich als unnötig.) Grobe Widersprüche konnte ich nicht feststellen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn mir der Schreibstil nicht uneingeschränkt zugesagt hat. Es hat ein paar Seiten Lektüre gedauert, bis ich mich auf den Inhalt einlassen konnte. Aber die Autorin hat es zumindest geschafft, meine Neugierde auf den 2. Band der Trilogie zu wecken. Ich hoffe, dass darin die Schauplätze noch ein wenig detaillierter beschrieben werden.




Dienstag, 8. November 2016

Rezension / Die Perspektive des Gärtners (Hakan Nesser)


Lange stand dieses Buch ungelesen in meinem Regal. Ich habe es damals angeschafft, weil ich von Hakan Nesser bereits „In Liebe, Agnes“ gelesen hatte und dieses kleine Büchlein ziemlich genial fand. Nessers  Schreibstil hat mich fasziniert und gefesselt, der Ausgang der Geschichte war fast bis zur letzten Seite unvorhersehbar.

Eine ähnliche Erwartung hatte ich nun auch an diesen Roman.


Der Schriftsteller Erik Steinbeck lernt bei einer seiner Lesung Winnie Mason kennen. Sie fühlen sich auf Anhieb zueinander hingezogen, wie zwei Seelenverwandte. Kurz darauf werden sie ein Paar und heiraten. Obwohl Winnie aufgrund einer dramatischen Erfahrung in ihrer Vergangenheit keine Kinder von ihm möchte, wird sie unverhofft schwanger. Doch die kleine Sarah wird im Alter von 4 Jahren von einem Fremden verschleppt - die Ermittler tappen im Dunklen. Nach einer längeren Trauerphase beschließt das Paar in die Staaten auszuwandern, um dieses schreckliche Erlebnis irgendwie hinter sich zu lassen.  Erik versucht, das Erlebte schreibend zu verarbeiten, während Winnie sich immer mehr von ihm entfernt. Erik beginnt, seiner Frau zu misstrauen und erfährt, dass sie bezüglich ihrer Vergangenheit nicht immer ehrlich zu ihm war. 


„Das Nachdenken ist die ältere Schwester des Entschlusses.“


Wenn ich mit der Beurteilung des Inhalts beginne, muss ich leider mit dem negativsten Punkt einsteigen. Aufgrund meines letzten Nesser-Buches bin ich mit hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und habe mit einer verstrickten und cleveren Handlung gerechnet. Doch diesmal war Story recht „glatt“.  Zwar wurden immer wieder neue, interessante Informationen eingestreut (gerade was die Vergangenheit von Winnie angeht), aber das echte Überraschungsmoment blieb aus. Stellenweise plätscherte die Handlung vor sich hin. Es ist nur dem guten Schreibstil zu verdanken, dass ich weiterlesen konnte. Weshalb ich dann all‘ meine Hoffnung in ein überraschendes Ende gesetzt habe. Leider wurde ich enttäuscht, denn einerseits war das Ende ein wenig an den Haaren herbei gezogen, andererseits  wurde in meinen Augen nicht alles ausreichend aufgeklärt. Ein paar letzte Geheimnisse sind durchaus legitim, aber ein  Autor sollte da die Waage halten. Leider ist das Hakan Nesser hier nicht besonders gut geglückt.

Der Schreibstil hat mir mal wieder außerordentlich gut gefallen. Gegen die Ich-Form oder die direkte Ansprache des Lesers habe ich nichts einzuwenden. Da Erik so gut wie keine Familie und Freunde hat, bzw. sogar seine Ehefrau sich von ihm entfernt, wir der Leser wie zu einem Vertrauten.  Über den Schreibstil wird auch Eriks Nüchternheit gut transportiert. Er hat keinen Hang zum Dramatisieren oder zu übertriebenen Gefühlsregungen. Was nicht bedeutet, dass er gar keine Gefühle zeigt. Doch sie sind in wohlüberlegte Sätze verpackt.

Sprachlich gesehen ist das Buch ein Genuss. Man merkt, dass der Autor sein Handwerk versteht. Es gibt keine Stellen, über die man sprachlich gesehen stolpern müsste. Was mich als Leser fasziniert sind Sätze, die ich selbst schon mal gedacht, aber noch nie schwarz auf weiß gesehen habe. Hakan Nesser ist in der Lage, tiefste Gedanken verständlich für alle in Worte zu fassen.

In Bezug auf die Schlüssigkeit / Verständlichkeit muss ich an meine Ausführung zum Inhalt anknüpfen: zu viele Fragen bleiben für mich am Ende offen. Man kann sich kein rundes Bild machen. Was nicht heißen will, dass ein Romanleser immer ein Happy End braucht – aber er braucht zumindest ein klares ENDE.


Ich würde die Lektüre dieses Buches nicht unbedingt als Zeitverschwendung ansehen, aber leider hat mich die Geschichte nicht überzeugt. Diese Erfahrung wird mich aber nicht davon abhalten, es noch mit einem weiteren „Nesser“ zu probieren. 





Dienstag, 1. November 2016

Rezension / Du und ich und das Meer (Sandy Taylor)



Das interessante Cover und der Klappentext des Buches haben mich dazu bewogen, mich bei Lovelybooks um das Buch zu bewerben.


Mary und Dottie kennen sich schon seit ihrem 8. Lebensjahr und verbringen fast jede freie Minute miteinander. In der englischen Stadt Brighton der 60er Jahre wachsen sie zu unbeschwerten jungen Frauen heran und tun das, was die meisten Frauen in ihrem Alter eben gerne tun: shoppen, ausgehen, schwärmen.
Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Mary, die mutige Künstlerin, die die Welt bereisen möchte. Dottie, die Bodenständige, die sich nur ein Leben mit Mann und Kindern in ihrer Heimat vorstellen kann. Sie scheinen sich jedoch perfekt zu ergänzen - wie zwei Puzzlestücke.
Doch wie es nun mal so ist: auch die tiefste Freundschaft bleibt vor Stürmen nicht verschont. 


„Alles schien perfekt zu sein, so als ob ich es mir genau einprägen müsste, bevor es dahinschwand."
 

Es fiel mir von Anfang an leicht, in die Geschichte der beiden Freundinnen einzutauchen. Die Beschreibung Brightons in den 60ern war für mich wie eine kleine Zeitreise – zum einen in die genannte Epoche, zum anderen in meine eigene Kindheit und Jugendzeit. Es blitzten immer wieder Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit auf, in der man hauptsächlich darauf bedacht war, möglichst gut auszusehen und möglichst bald seinen Schwarm wiederzusehen. 

Die gesamte Geschichte zwischen Prolog und Epilog ist schlüssig und wirft keine inhaltlichen Fragen auf. Das Buch ist weder mit Inhalt überfrachtet, noch langweilig. Für mich gab es lediglich einen inhaltlichen Stolperstein, der fast einen Stern in meiner Bewertung gekostet hätte – doch habe ich meine Meinung geändert. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Szene authentisch und unverblümt aufzeigt, wie der Wind in den 60er blies, was die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau anging.  

An manchen Stellen muss der Leser mit „Längen“ klarkommen. Ich habe diese eher als Stilmittel empfunden, zum Spannungsaufbau, aber an keiner Stelle langweilig. Es ist, als müsste man als Leser die „Durststrecken“ der Protagonisten mittragen.

Die Sprache ist bilderreich, die Erzählerin beschreibt Situationen gerne in Bildern bzw. Vergleichen ("Mein Mund war trocken und fühlte sich an, wie es im inneren eines Kinderwagens aussah, voller Staubflusen und Kekskrümel." - "Mein Kopf war so leergefegt wie der Strand an einem Schultag"). Aber nicht nur das: an manchen Stellen fühlt man sich wirklich wie in die Szene gebeamt, mitten nach Brighton, mitten in die 60er Jahre. Mit Gerüchten, Farben, Geräuschen…

Die Charaktere wurden allesamt wunderbar ausgearbeitet und jeder Akteur trägt seinen Teil zu dieser teils urkomischen, aber auch sehr ernsthaften Geschichte bei. Die Wünsche und Träume der Protagonisten werden von der Autorin nicht gewertet,  sondern stehen unkommentiert im Raum und haben ihre Daseinsberechtigung.

Der Kontrast bzw. die Spannung zwischen den einerseits humorvollen, andererseits zu Tränen rührenden Szenen ist auffällig. Aber die Autorin hat diese Gratwanderung gut gemeistert und einen perfekten Mix geschaffen. Der Humor war nicht schwarz, die traurigen Passagen nicht kitschig.


„Du und ich und das Meer“ ist ein unaffektierter, nicht kitschiger Roman, der sich meiner Meinung nach von anderen Frauenromanen abhebt. Opferbereitschaft wird noch als Tugend gefeiert bzw. es wird deutlich, dass Hilfsbereitschaft und Selbstaufgabe nicht zwangsläufig gleichzeitig einhergehen müssen. Es wird die Freundschaft gefeiert – eine Freundschaft, die Barrieren überwindet.