Montag, 21. November 2016

Rezension / Mondjahre (Eva-Maria Bast)



Auf der Suche nach einem Roman, der am Bodensee bzw. in Überlingen, meiner Heimatstadt, spielt, bin ich auf Eva-Maria Basts „Mondjahre“ gestoßen. Es handelt es sich um einen geschichtlichen Roman, von dem ich mir auch erhofft habe, er könnte mein Allgemeinwissen zum Thema „1. Weltkrieg“ aufbessern.

Die Tatsache, dass es sich um den 1. Band einer Trilogie handelt, hat meine Neugierde noch mehr geweckt.


Im Mittelpunkt der Familiensaga, die sich in diesem Band über ca. 4 Jahre erstreckt, stehen drei junge und starke Frauen. Diese müssen mit den plötzlichen Veränderungen, die der Krieg mit sich bringt, zurechtkommen und leben lernen. Doch sie haben nicht nur mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen - auch mit dem Schicksal anderer Familienmitglieder und Freunde sind sie untrennbar verwoben. 

Inhaltlich gesehen hat das Buch grundsätzlich einiges zu bieten: viele Charaktere, viele Schauplätze, einige grundlegende Fakten über den Verlauf des ersten Weltkrieges. Die Grundidee gefällt mir sehr gut: es geht hauptsächlich um zwei „Parteien“ der Familie Seiler bzw. der Familie der verheirateten Tochter. Sie wohnen in Konstanz und Überlingen – zwei Städte am Bodensee, in denen sich das alltägliche Leben während des Krieges offenbar leicht unterscheidet. Die meisten Männer müssen in den Krieg ziehen, während die Frauen zurückbleiben oder sich zum Lazarettdienst an der Front melden. Sophie, eine Tochter aus dem Hause Seiler, verlobt sich vor Ausbruch des Krieges zu allem Überfluss mit einem Franzosen -  was die Handlung natürlich noch explosiver macht. Der Inhalt birgt also spannendes Konfliktpotenzial. Aufgelockert wird der Plot dann durch Szenen aus dem Jahr 2013 : die junge Zita, die rein zufällig an Sophies Tagebuch kommt und auch nicht zur Familie Seiler gehört, versucht einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. 

So weit, so gut. Leider hat es in meinen Augen dann an der Umsetzung des Ganzen gehapert. Aufgrund der Fülle an Protagonisten hätte ich mir eine differenziertere Ausarbeitung der Charaktere gewünscht, und nicht nur die Fraktionen „hübsch, mutig, jung“, „mutig, sanft, alt“ und „patriotisch, aber wehleidig“. Um es mal übertrieben auszudrücken. Dadurch, dass sich unsere drei Haupt-Protagonistinnen in der Art sehr ähneln, fiel es mir manchmal tatsächlich schwer, sie auseinanderzuhalten. Gerade bei Sophie und Johanna (deren Nichte), ist es mir so ergangen. Dadurch, dass sie genau gleich ticken und fast gleich alt sind, vergisst man beim Lesen gerne die dazwischenliegende Generationenebene. Ein Familienstammbaum, abgedruckt am Anfang oder am Ende des Buches, wäre eine gute Unterstützung gewesen. Gerade als Zita im Jahr 2013 versucht, das „Familiengeheimnis“ zu lüften und dann Großmutter, Urgroßmutter und Großtante ins Spiel kommen, wurde mein Lesefluss erheblich gestört. 

Was die einzelnen Szenen angeht: einige sind spannend und glaubhaft, andere wirken eher inszeniert (z.B. die Geschehnisse rund um die geplante Hochzeit von Luise und Siegfried in Memel. Es war sehr dumm und naiv von den beiden Frauen, vor Ort zu bleiben. Es passt einfach nicht zu ihrem Wesen.)

Der Schreibstil / die Sprache ist für die Gesamtlektüre sehr angenehm. Der Text ist flüssig und verständlich geschrieben. Allerdings empfand ich einige Passagen sprachlich als zu blumig ausgeschmückt oder gekünstelt. Besonders gestört hat mich das bei einigen Dialogen, die dadurch aufgesetzt / gestellt wirkten. Stellenweise konnte ich mich nur schwer auf die Auseinandersetzungen der Protagonisten einlassen bzw. mitfiebern. Manche Reaktionen waren für mich einfach zu übertrieben oder zu überschwänglich - der Situation nicht angepasst. Oder die Gefühlsschwankungen waren zu abrupt. Dieses Gefühl entstand bei mir vielleicht auch deshalb, weil die Charaktere nicht ausreichend "ausgefeilt" wurden.
Extrem gestört haben mich die zwanghaften Cliffhanger am Ende vieler Kapitel, die teilweise auch schon den weiteren Verlauf der Geschichte vorweg nehmen. Es hat fast etwas Bettelndes („Bitte, du muss unbedingt weiterlesen!“) Gegen Cliffhanger ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden – aber bitte nicht so offensichtlich und so oft. 

Der Plot ist schlüssig, auch wenn manche Wendungen konstruiert wirken oder Protagonisten sich seltsam verhalten (z.B. Irina, die 2-3 Mal nach Deutschland und zurück nach Russland reist, um Menschen nach Hause zu begleiten. Das empfand ich als unnötig.) Grobe Widersprüche konnte ich nicht feststellen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn mir der Schreibstil nicht uneingeschränkt zugesagt hat. Es hat ein paar Seiten Lektüre gedauert, bis ich mich auf den Inhalt einlassen konnte. Aber die Autorin hat es zumindest geschafft, meine Neugierde auf den 2. Band der Trilogie zu wecken. Ich hoffe, dass darin die Schauplätze noch ein wenig detaillierter beschrieben werden.




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